Red Bull und der Farbenstreit

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Salzburg - Seit April tobte der Streit um Farben, Tradition und Ausverkauf im Schatten der Festung Hohensalzburg.

Die Fronten waren verhärtet, viele Gespräche zwischen den streitenden Parteien fruchteten nicht.

Hier die Traditionalisten, die Farbe und Name zurück wollten, dort das Milliarden-Unternehmen Red Bull, das vor allem in Rot und Blau denkt.

Red Bull gegen "ein paar Romantiker"

Aus den Fans, die den violetten Wurzeln, die seit 72 Jahren zu Salzburg gehörten wie der Name Austria, nicht abschwören wollten, gründete sich die Initiative Violett-Weiß.

Deren zentrales Anliegen war es, eine violett-weiße Mannschaft zu unterstützen. Die Vereinsfarben als Identifikationsmerkmal, bunte Romantik, die bei Red Bull nur auf wenig Verständnis stieß.

"Die Firma Red Bull kann doch nicht wegen ein paar Romantikern ihr Logo umfärben", versuchte Salzburg-Geschäftsführer Kurt Wiebach die violett-weiße Revolution im Keim zu ersticken.

Mutter als Störenfried mit Stadionverbot

Zunächst mit wenig Erfolg, auch weil die Initiative durch ihr friedliches Vorgehen regen Zulauf fand. Im Schatten der violett-weißen Fraktion sorgten jedoch einige Radikale mit Morddrohungen, zerstochenen Reifen und fliegenden Feuerwerkskörpern für Aufregung.

57 Stadionverbote wurden nach einem unrühmlichen Auftritt der Salzburger in Ried verteilt, darunter auch einige mehr als fragwürdige.

So wurde zum Beispiel eine Mutter, die noch nie ein Stadion von innen gesehen hatte, als Störenfried abgestempelt. Nur weil sie ihrem Sohn über einen Fanklub ein Abo bestellt hatte.

Auch bei Red Bull ist nicht alles Gold was glänzt, obwohl die Stadionverbote nach einigen Gesprächen wieder aufgehoben wurden.
Violette Kapitänsschleife und Tormannstutzen

Seit 15. September ist die Austria aus Salzburg endgültig Geschichte, die Initiative erklärte die Gespräche und die damit verbundene Suche nach einem Kompromiss im Farbenstreit für beendet.

"Von uns aus kann Kurt Wiebach das Spottangebot weiß-roter Dressen mit violetter Kapitänsschleife und violetten Tormannstutzen auch bis Silvester 2017 aufrecht erhalten."

"Dies als Basis ist für uns keinen weiteren Gedanken wert", heißt es auf der Homepage der "Abtrünnigen", deren Vorhaben als gescheitert bezeichnet werden kann.

Austria-Fans gehen nicht mehr zu Red Bull

"Die Dialogbereitschaft des Klubs war nur ein Spiel auf Zeit. Das Festhalten an den weiß-roten Dressen war längst beschlossene Sache. Genau wie die Eliminierung der Stehplätze", so Stephan Huber, seines Zeichens Sprecher der Initiative.

Nach dem Spiel gegen die Wiener Austria wurde im Eiltempo der Stehplatzbereich Eingang Süd in einen zusätzlichen Sitzplatzsektor umgebaut, 1.300 neue Sitzplätze wurden geschaffen.

Die Initiative Violett-Weiß und ihr Anhang zieht jetzt die Konsequenzen aus der Niederlage im ungleichen Kampf gegen das Dosen-Imperium. "Wir Fans der Austria Salzburg werden nicht mehr zu den Spielen von Red Bull kommen."

Solidarität von Split über Oslo bis Washington

Aufstecken will Stephan Huber deshalb aber nicht. "Wir müssen uns neu orientieren, aber unsere Ziele sind zu wichtig, um uns davon zu verabschieden."

Die europaweite Solidarität mit dem violett-weißen Anliegen macht Hoffnung für einen Neuanfang. Am vergangenen Wochenende ging noch einmal ein Aufschrei durch Europas Fankurven, von Bayern München über Hajduk Split bis hinauf in den hohen Norden zu Valerenga Oslo.

Gegen den "modernen Fußball" und den Ausverkauf von Traditionen. In Übersee, bei den Portland Timbers und DC United, hingen Transparente, von Fans, die den Stier nur als Steak auf dem Teller sehen wollen.

Aus Manchester gingen Mails bei den Salzburgern ein. Von Barkeepern, die kein Red Bull mehr ausschenken, die bei United mit Malcolm Glazer vor einem ähnlichen Problem stehen.

Der Kampf um den Erhalt der Tradition blieb auch internationalen Medien nicht verborgen. Bis nach China sprach sich die Übernahme und ihre Folgen herum.

"...dann sollen sie einen gründen!"

Salzburg-Trainer Kurt Jara gehen die Traditionalisten unter den Fans auf die Nerven. "Die sind vor zehn Jahren noch in kurzen Hosen herum gelaufen und reden von Tradition. Wenn sie einen violett-weißen Klub wollen, dann sollen sie einen gründen."

Ein Denkansatz, dem auch Stephan Huber trotz Frustration einiges abgewinnen kann. "Austria Salzburg lebt derzeit nur in den Herzen der Fans. Der Gedanke, einen Gegenentwurf zur Eventkultur von Red Bull zu entwickeln, ist reizvoll."

Vorbild könnten die Wimbledon-Fans sein, die nach dem Abstieg, der Übernahme durch Musikproduzent Pete Winkelman und dem damit verbundenen Umzug nach Milton Keynes eine Initiative namens WISA gründeten und seither den lokalen Amateurklub Wimbledon AFC unterstützen.

Noch ist nichts spruchreif, aber vielleicht wandelt man irgendwann auf den rot-blauen Spuren von Red Bull. Denn nach der Farbenlehre ergibt die Mischung aus Rot und Blau immer noch Violett. (sport1)

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