TV Sender hoffen auf Wettboom

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Die deutschen Fernsehsender warten mit Spannung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das ihnen neue Einnahmen in Milliardenhöhe verschaffen könnte. Am Dienstag verhandeln die Karlsruher Richter darüber, ob das staatliche Monopol bei Sportwetten gelockert wird.

Von der Grundsatzentscheidung, die voraussichtlich Anfang nächsten Jahres fällt, erwarten Experten eine Liberalisierung des gesamten Wettmarktes. Sender und private Glücksspielanbieter stehen bereits mit Angeboten in den Startlöchern.

Der Markt lockt mit viel Geld: Rund 27 Mrd. Euro gaben die Deutschen 2004 für Wetten und Glücksspiele aus, davon rund 1,5 Mrd. Euro für Sportwetten. Bisher jedoch fließt ein Großteil der Umsätze an staatliche Anbieter - Spielbanken, Lottogesellschaften und die Sportwettenfirma Oddset. Lediglich vier alte Wettlizenzen aus der ehemaligen DDR sind in den Händen privater Firmen. Alle anderen Anbieter müssen sich auf Pferdewetten beschränken, die vom staatlichen Monopol ausgenommen sind - weil sie als "Leistungsschau" und nicht als Glücksspiel gelten.


Hohe Wachstumsraten

"Der deutsche Sportwetten-Markt wächst um bis zu 30 Prozent jährlich und hat ein Potenzial von 5 bis 6 Mrd. Euro", sagt Marcus Meyer, Deutschlandchef des österreichischen Anbieters Betandwin, der sich eine alte DDR-Lizenz gesichert hat. Über das Web können die Deutschen bereits auf alles Mögliche wetten - die Betreiber der Portale nutzen meist Lizenzen aus anderen EU-Ländern.

Das große Geschäft wittert nun vor allem Premiere. Der Bezahlsender hat im August den Wettkanal Premiere Win gestartet, der derzeit sechs bis acht Stunden am Tag Pferderennen überträgt, auf deren Ausgang die Zuschauer wetten können. Premiere arbeitet dabei mit Betandwin und dem US-Rennbahnbetreiber Magna Entertainment zusammen. Fällt das Monopol, will Premiere-Chef Georg Kofler den Abosender zu "einer Topmarke im Wettgeschäft" ausbauen. 2008 soll der Umsatz mit Sportwetten, Glücksspielen, Online-Kasinos und Ratespielen bei 1 Mrd. Euro liegen.

"Was wir jetzt haben, ist nur der Nukleus", sagt Premiere-Vorstand Hans Mahr. Der Bezahlkanal besitzt mit jährlich 5000 Stunden Live-Sportrechten ein attraktives Wettumfeld und führt mit einigen Wettanbietern schon Gespräche über weitere Kooperationen.


Kooperation mit Wettanbietern

Allein werden die meisten Sender das Geschäft wohl auch künftig nicht betreiben, sondern etwa die Berechnung von Wettquoten privaten Anbietern überlassen. Die profitieren von den Reichweiten der TV-Sender. Auch der Deutsche Sportverlag, der die Zeitschrift "Tipp mit" herausgibt und umfangreiche Datenbanken erstellt, hofft auf einen wachsenden Markt und die Zusammenarbeit mit den Sendern.

Der Privatsender RTL kooperiert derzeit mit Oddset. Über ein Onlineportal vermittelt der TV-Sender Wetten des staatlichen Anbieters. Für die Zukunft denkt RTL über einen eigenen digitalen TV-Wettkanal nach. Auch der Sportsender DSF und der Mutterkonzern EM.TV feilen an Ideen. "Wir sehen bei Sportwetten ein hohes Umsatz- und Renditepotenzial", sagt EM.TV-Chef Werner Klatten.

Sollte das Monopol fallen, könne der Sender schnell reagieren. Eile haben alle Beteiligten, weil sie vom erwarteten Wettboom zur Fußball-WM profitieren wollen. Ob der Markt bis dahin liberalisiert ist, ist aber noch offen. Nach einem Gerichtsurteil dürften weitere Monate vergehen, bis die Gesetzgebung neu geregelt ist - ob Interesse an einer zügigen Änderung besteht, ist unklar, schließlich würden damit die Oddset-Einnahmen sinken.

Betandwin, größter privater Sportwettenanbieter in Deutschland, operiert bisher als reine Onlineplattform. Die Marktöffnung würde neue Optionen ermöglichen: Mit einem Sportwetten-Kanal könnte Betandwin den Plänen etablierter TV-Sender Konkurrenz machen. "Für die Zukunft wäre es denkbar, eine eigene Sendelizenz zu kaufen", so Meyer. Noch aber sei dies kein Thema. Kippt das Monopol, stellt sich Betandwin darauf ein, dass auch ausländische Firmen den deutschen Markt entdecken.

Sorgen bereitet Meyer aber eher die Glücksspielsteuer. Noch ist offen, wie Karlsruhe bei einer Marktöffnung das Steuerthema gesetzlich in den Griff bekommen will. Zurzeit zahlen Privatanbieter keine Abgaben, Oddset dagegen über 16 Prozent. "Eine solche Steuer ist nicht marktkonform, die lehnen wir ab", sagt Meyer. Deutschland solle sich an Großbritannien orientieren, wo Glücksspielsteuern von ein bis zwei Prozent gelten. FT

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