Sportwetten und Gesellschaft

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Spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erwarten Buchmacher, Online-Anbieter und auch private Fernseh-Konsortien begierig die Lockerung des Glücksspiel-Monopols.

Das Wettfieber grassiert, die Branche boomt. Allein in diesem Jahr wird wohl der Wettmarkt um 25 Prozent wachsen. Die Geschäftemacher hoffen dabei, dass das Bundesverfassungsgericht Anfang kommenden Jahres das bewährte staatliche System aus den Angeln hebt und diesen prosperierenden Markt dereguliert.
Leidtragende wären dann die Bundesländer, die das Glücksspiel kontrollieren, Lotterien und Sportwetten veranstalten sowie Lizenzen für Spielbanken erteilen. Nebenbei, dieses Betätigungsfeld zählt zu den ertragreichsten des öffentlichen Wirtschaftslebens. Leidtragender wäre auch der Sport - und das in erheblichen Dimensionen. Denn ein großer Teil der Spieleinsätze des Deutschen Lotto- und Totoblocks wird zu Gunsten "gemeinwohlförderlicher Zwecke" ausgeschüttet. Das hat seine kultur- und sozialhistorischen Gründe: Gesellschaftlicher Konsens war und ist, dass die Veranstaltung von Glücksspielen an sich unerwünscht ist. Durch den Lotterie-Staatsvertrag lenken deshalb die Länder den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete, überwachte Bahnen. Die Spielleidenschaft wird also kanalisiert - und aus den Einnahme-Pools fließen Riesensummen für soziale, kulturelle und sportliche Aufgaben.
Die Wachstumsschübe durch das Spielfieber haben nun für einen Werte-wandel gesorgt. Deshalb stehen Glücksspiel, Wetten und Lotterien im Schnittfeld von Ordnungsrecht und Wirtschaftsrecht. Zudem bringt die Dienstleistungsfreiheit in der EU das lange bewährte Konstrukt hier zu Lande ins Wanken. Bundes- und Landespolitiker signalisieren bereits, man werde nach dem Fallen des staatlichen Wettmonopols neue Wege finden, damit der Sport für sein breites Spektrum an gesellschaftlichen Aufgaben aus dem sich steigernden Wetttopf Einnahmen zugewiesen bekommt. Zweifel sind erlaubt. In der bedingungslosen marktwirtschaftlichen Konkurrenz bleibt der Gemeinsinn stets als erstes auf der Strecke.
Der Sport meldet rechtzeitig vor der Verfahrenseröffrung in Karlsruhe klar und deutlich seine Interessen an. Schließlich ermöglicht er mit seiner von unten nach oben gerichteten Organisationsstruktur, dass der Wettkampfbetrieb in der Spitze laufen kann, den private Anbieter für ihr Riesengeschäft nutzen. Sie sind an Umsatz und Rendite orientiert. Ihnen unkontrolliert das Feld zu überlassen, bedeutete im Endeffekt: Unser Gemeinwesen erführe einen weiteren Abbau von wertvollen sozialen Bausteinen. Das wäre eine Ohrfeige für das gesellschaftliche Miteinander und das bürgerschaftliche Engagement.

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