Österreich ein Land des Glücksspiels

 |   |  0 Kommentare |  Kommentieren |  261 mal angesehen
Doch immer mehr private Firmen machen mit spannenden Wettspielen und attraktiven Gewinnmöglichkeiten den halbstaatlichen Casinos und Lotterien Spieler abspenstig. Und 2006 ist ein Schicksalsjahr für die gesamte Glücksspiel-Industrie.

An der Wiener Ringstraße befinden sich zwei Schaltzentralen des europäischen Glücksspielgeschäfts. Beide sind in Gebäuden des berühmten Ring-Baumeisters Theophil Hansen beherbergt. Doch diese Ähnlichkeit ist natürlich reiner Zufall: Im Geschäftsmodell, im Auftreten und in der Strategie liegen zwischen den beiden Unternehmen, die keine fünf Gehminuten voneinander entfernt sind, Welten.

Im Palais Ephrussi am Dr.-Karl-Lueger-Ring residieren die Casinos Austria. Im Foyer signalisieren uralte US-Spielautomaten, dass hier die Tradition wohnt. Das Chefbüro: dunkle Ledergarnitur, wuchtiger Schreibtisch, gediegenes Flair. Der Chef selbst, Leo Wallner, ist die Contenance in Person. Der 70-Jährige würde nie ein aggressives Wort über seine Lippen bringen. Und so sagt er nur leise: „Man kann nachts bei Rot über eine Kreuzung gehen, wenn kein Polizist in der Nähe ist, und wird dafür nicht bestraft werden. Trotzdem ist es illegal.“

Das ist auf Manfred Bodner, 43, gemünzt, den Chef des Online-Glücksspielriesen Betandwin, der im historischen Börsengebäude am Schottenring untergebracht ist. Junge Empfangsladys mit Headset weisen den Weg durch lichtdurchflutete Gänge. Einziges auffälliges Utensil im Chefbüro: ein überdimensionaler Flatscreen an der Wand. Dass Betandwin ohne Rücksicht auf nationale Grenzen und Lizenzen seine Wetten und Casinospiele anbietet, mag Wallner im Palais Ephrussi als illegal brandmarken. Für Bodner, dessen Unternehmen eine Casinolizenz in der britischen Kronkolonie Gibraltar hält, ist es die Vorwegnahme der europäischen Dienstleistungsfreiheit. „Die überbezahlten Halbbeamten in ihren Monopolistenburgen wollen sich doch gar nicht dem Wettbewerb stellen“, lautet seine nicht gerade zimperliche Kritik an den Platzhirschen.

Gaming-Duell. Die beiden österreichischen Anbieter liefern einander einen Kampf auf höchstem Niveau. Casinos Austria und Betandwin sind, jeweils auf ihre Art, Aushängeschilder der Branche. Martin Oelbermann von der Münchner Gaming-Consultingfirma MECN hält etwa die Casinos Austria mit ihren 72 Spielstätten auf dem ganzen Globus für „eines der best gemanagten Glücksspielunternehmen weltweit“. Betandwin wiederum wurde vom Branchenmagazin „E-Gaming Review“ eben zum „European Hotshot of the Year“ geadelt. Mit dem mindestens 474 Millionen Euro teuren Kauf des schwedischen Online-Poker-Anbieters Ongame haben Bodner und sein Co-Vorstand Norbert Teufelberger kurz vor Weihnachten den bisher größten Deal der noch jungen Internet-Gambler-Branche angekündigt.

Woran liegt es, dass ausgerechnet zwei österreichische Unternehmen auf dem internationalen Glücksspielmarkt so gute Karten haben? Kennen sich die Österreicher beim Zocken besser aus? Die Marktzahlen legen es nahe, dass Glücksspiel hierzulande einen höheren Stellenwert hat als beispielsweise im großen Nachbarland: Um zwei Milliarden Euro spielten die Österreicher 2005 in den zwölf heimischen Casinos Roulette, Black Jack oder an den Spielautomaten – im zehnmal größeren Deutschland werden laut MECN in den klassischen Casinos gerade einmal elf Milliarden ausgegeben. 1,8 Milliarden Euro bringen der Casinos-Austria-Beteiligung Österreichische Lotterien Lotto, Toto, Internet-Spielangebote & Co ein – der Deutsche Lotto-Toto-Block erlöste zuletzt 8,1 Milliarden Euro. Und den 400 Millionen Euro, die die Österreicher bei privaten Buchmachern verwetten, stehen rund 1,5 Milliarden im Nachbarland gegenüber.

Kurzum: Während der durchschnittliche deutsche Bundesbürger pro Jahr, Spielautomaten inklusive, 380 Euro auf sein Glück setzt, lassen sich die Österreicher Spannung, Nervenkitzel, Rechthaberei oder schlicht Gier rund 600 Euro kosten – illegale Hütchenspiele oder private Wetten am Fußballplatz sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Früher Einsatz. Die austriakische Liebe zum Glücksspiel hängt wohl damit zusammen, dass sie schon früher gepflegt wurde als anderswo. Leo Wallner hat in 38 Jahren an der Spitze der Casinos Austria aus den damals als halbseiden verschrienen Spielhöllen moderne Unterhaltungsstätten gemacht. Wallners Beharrlichkeit hatte auch auf der Anbieterseite Folgen: Weil für eine ganze Legion ehrgeiziger, talentierter Manager aus dem rasant expandierenden Casinos-Austria-Imperium der Chefsessel unerreichbar war, gründeten sie eben eigene Glücksspielunternehmen. Betandwin-Mann Teufelberger war etwa Manager der Casinos Austria International in den USA und half dann bei der Gründung der – seit 2005 an der Wiener Börse gelisteten – Century Casinos, ehe er in die New Economy wechselte.

Sportwetten wiederum gelten hierzulande als Geschicklichkeitsspiel, das nicht dem Glücksspielmonopol unterliegt – das ist in Europa sonst nur bei den wettfanatischen Briten so. Deshalb gab es im stationären Bereich mit Ketten wie Admiral oder Wettpunkt schon früh ein professionelles Angebot von Privaten, die eine spannende Alternative zum eher langweiligen Toto boten.

Denn die halbstaatlichen Lotterien kennen nur einen wirklichen Gewinner: den Finanzminister. Lediglich 50 Prozent der Einsätze von Lotto und Toto werden ausgeschüttet – während es bei den privaten Sportwettenanbietern, vor allem jenen im Internet, 80 bis 95 Prozent sind. Alljährlich kann sich Karl-Heinz-Grasser so über einen Superjackpot in der Höhe von derzeit rund 550 Millionen Euro aus dem Glücksspielmonopol freuen. Die Gebühren auf Sportwetten privater Firmen, seit 1. Oktober 2005 zwei Prozent, sind dabei noch gar nicht inkludiert.

Neues Spiel, neues Glück. Diese Budgeteinnahmen von Fortunas und Monopols Gnaden sind aber in Zukunft keine sichere Bank mehr. Liberalisierungen in Teilbereichen stehen unmittelbar bevor. Die Stoßrichtung scheint klar zu sein: „Der Staat zieht sich peu à peu zurück“, erwartet Glücksspielexperte Oelbermann. 2006 ist in dieser Hinsicht ein Schlüsseljahr für die gesamte Industrie.

Im Kern geht es um die Frage, wie man mit den unzähligen, meist als Online-Sportwetten-Anbieter gestarteten Plattformen umgehen soll, die inzwischen durchwegs die gesamte Gambling-Palette anbieten, von Roulette bis zu virtuellen Pokerpartien. Auf ein definitives Ende der nationalen Monopole wollen Betandwin, Interwetten & Co aber nicht warten – und operieren daher von Gibraltar oder Malta aus, womit sie teilweise die Wett- und Glücksspielsteuern umgehen. Lotterien-Boss Friedrich Stickler sieht darin einen Wettbewerbsnachteil, „da die Konkurrenz so Quoten anbieten kann, die wir bei unserer Kalkulationsbasis nie anbieten können“.

Bodner und seine Mitstreiter hingegen finden, dass der Staat sie an der freien Berufswahl hindert – und setzten die noch bestehenden nationalen Monopole durch die neuen technologischen Möglichkeiten außer Kraft: „Wenn ein Österreicher oder Deutscher auf betandwin.com wettet, wettet er in Gibraltar, wo die Wette ja bearbeitet wird“, erläutert Bodner seine Sicht der Dinge.

Kontrolle oder Abzocke? Warum will aber der Staat ausschließlicher Anbieter von Glücksspielen sein? Hinter der Monopolisierung steht die Überlegung, dass der menschliche Spieltrieb in geordnete Bahnen gelenkt werden muss – und dass der Staat das am besten kann. Doch je mehr neue Produkte, zuletzt Euromillionen, die Lotterien erfinden und überdies heftigst bewerben, umso stärker drängt sich der Verdacht auf, dass es dem Staat weniger um Angebotsverknappung als um Geldbeschaffung geht. Oder wie es ein privater Buchmacher bei der Anhörung vor dem deutschen Verfassungsgericht im November sagte: „Die Kanalisierung des Spieltriebes dient lediglich der Kanalisierung des Geldflusses.“

Doch nicht nur für den Finanzminister brechen aber womöglich unglückseligere Zeiten an. Die gesamte Branche ist im Umbruch. Fast täglich locken im Internet neue Wettangebote mit angehängtem Online-Cas

Kommentare

Gute Wettanbieter

Betway Wettanbieter Betsafe Wettanbieter Tipico Wettanbieter Sportingbet Wettanbieter