Das Spiel mit dem Monopol auf Glück

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Mit Spannung erwartet die Glücksspielbranche das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum staatlichen Glücksspielmonopol. Schon frohlockt die Buchmacherlobby, Karlsruhe werde den Markt grundlegend liberalisieren. Die Entscheidung dürfte aber gerade privaten Wettanbietern zum Verhängnis werden.

Nicht nur die Nerven deutscher Lotto-Spieler lagen kürzlich blank, als sich der Jackpot einem neuen Rekord näherte. Nervosität ist derzeit symptomatisch für die gesamte deutsche Glücksspielbranche. Seit mehr als einem halben Jahr warten private Wett- und Glücksspielanbieter nun schon auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum staatlichen Monopol auf Glücksspiele. Geklagt hatte eine Münchner Buchmacherin. Irene Katzinger-Görth will, was ihre Kollegen im europäischen Ausland längst dürfen: Sportwetten anbieten. Dies ist, für Pferderennen ausgenommen, derzeit hier zu Lande nur in einer rechtlichen Grauzone, vornehmlich im Internet, möglich. Spätestens im April wollen die Karlsruher Richter nun endgültig entscheiden, ob die deutsche Gesetzgebung mit EU-Recht und der Berufsfreiheit vereinbar ist. Das Urteil hat grundsätzliche Bedeutung für die gesamte Glücksspielbranche.


Deutschland noch Entwicklungsland

Der Markt lockt mit großen Versprechungen. Rund 30 Mrd. Euro verzockten die Deutschen im vergangenen Jahr. Während das klassische Lotteriegeschäft stagniert, wächst insbesondere das Wettgeschäft mit beachtlichem Tempo. Laut einer Studie des Münchner Marktforschungsunternehmens MECN wird der Wettumsatz in Deutschland bis 2010 auf jährlich 5 Mrd. Euro anwachsen, derzeit sind es noch 2,2 Mrd. Euro.

Bisher fließt der Löwenanteil der Einnahmen aus dem Glücksspiel an staatliche Lotterien, Spielbanken und den Sportwettanbieter Oddset. Nur vier Lizenzen aus der ehemaligen DDR gehören privaten Wettanbietern wie dem österreichischen Sportwettenportal Betandwin. Experten sind sich zudem sicher, vor allem dieser Bereich des Glücksspiels berge noch enormes Potential. "Deutschland ist, was Sportwetten anbelangt, noch ein Entwicklungsland", sagt etwa Stephan Schröder vom Beratungsunternehmen Sport + Markt.


Experten warnen vor verfrühter Euphorie

Obwohl die Karlsruher Richter ihr Urteil vom Herbst nun auf den Frühling vertagten, feiert die deutsche Buchmacherbranche bereits das Ende des Glücksspielmonopols. Auch Betandwin aus Österreich kündigte an, sich auf die Liberalisierung des deutschen Sportwettenmarktes vorzubereiten: "Wir rechnen fix mit der Marktöffnung", hatte das Unternehmen kürzlich noch verkündet. Je länger die Karlsruher Richter mit ihrem Urteil auf sich warten lassen, desto stärker werden indes die Zweifel, ob sich das Gericht tatsächlich für eine weit greifende Marktöffnung entscheiden wird.

Vor allem Juristen warnen vor verfrühter Euphorie. "Es ist noch lange nicht gesichert, ob das Bundesverfassungsgericht die derzeitige Rechtslage für verfassungswidrig erklärt", sagt Andreas Voßkuhle, Direktor des Instituts für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie an der Universität Freiburg. Es sei zwar vorstellbar, dass die Richter die Länder auffordern werden, die Regelungen zum Glücksspiel zu überarbeiten, sagt Jörg Ennuschat, Rechtsprofessor an der Universität Konstanz. "Diese könnten sich aber durchaus weitgehend am jetzigen Recht orientieren und privaten Anbietern lediglich eine vorsichtige Liberalisierung einräumen", sagt Ennuschat. So habe das Gericht bei der ersten Vernehmung im November vor allem den Ausführungen zur Spielsuchtgefahr großes Gehör geschenkt.

Selbst Betandwin rudert jetzt zurück: "Wir wollen das Ergebnis gar nicht präjudizieren", sagte eine Sprecherin. So viel nur: "Sobald der Spruch da ist, werden sich unsere Anwälte das Urteil ansehen."


Existenz steht auf dem Spiel

Vor allem für die privaten Wettanbieter in Deutschland, deren Anzahl in den vergangenen Jahren massiv auf etwa 25000 angewachsen ist, steht die Existenz auf dem Spiel. "Wir haben derzeit eine de facto Liberalisierung", sagt MECN-Leiter Oelbermann. Die Karlsruher Richter könnten die Gelegenheit ergreifen, "diesen Wildwuchslizenzen einen Schuss vor den Bug zu erteilen". Er hält es für möglich, dass sich das Gericht entscheidet, insgesamt nur bis zu zehn private Glücksspiel-Lizenzen zu erteilen, für die sich auch ausländische Anbieter bewerben können. Branchengiganten wie William Hill und Ladbrokes aus Großbritannien haben den deutschen Markt dabei längst im Visier, ihn bislang lediglich wegen rechtlicher Unwägbarkeiten gemieden. "Die Großen ausländischen Anbieter werden nach einer Liberalisierung sofort durchstarten", sagt Branchenexperte Schröder voraus. "Der Markt wir legal, aber härter", lautet das Fazit Oelbermanns.

Selbst der österreichische Sportwettenanbieter Betandwin dürfte durch eine Liberalisierung mehr verlieren als gewinnen. Betandwin vermittelt derzeit auf der Grundlage der deutschen Lizenz die Wetten weiter nach Gibraltar. Dem deutschen Staat entgehen dadurch hohe Einnahmen, da die Österreicher keine Glücksspielsteuer zahlen. Wird die Rechtsgrundlage für Sportwetten in Deutschland erst einmal geklärt, würden die Österreicher auch in Deutschland zur Kasse gebeten, so die Experten. "Damit würden private Anbieter unattraktiver, die Gewinnquote rückte signifikant in die Nähe vom staatlichen Konkurrenten Oddset", sagt Oelbermann.

Unwägbarkeiten deutscher Sitten und Gewohnheiten

Eindeutige Profiteure dürfte es dennoch geben, sie kommen aber aus einer ganz anderen Branche: dem Fernsehen. "TV-Sender haben gegenüber Online-Anbietern hier viel mehr Power. Das Potential für Sportwetten auf dem TV-Markt ist unübertroffen", sagt Schröder von Sport + Markt. So haben alle großen Privaten bereits entsprechende Pläne und Kooperationen vereinbart. RTL arbeitet derzeit mit Oddset zusammen, für die Zukunft erwägt der Sender einen eigenen digitalen TV-Wettkanal. Auch der Sportsender DSF und der Mutterkonzern EM.TV arbeiten an Plänen für Wetten per TV. "Wenn der Bereich aus der Illegalität heraus ist, wird es im deutschen Fernsehen keine Sport-Übertragung mehr geben, bei der nicht mit Wetten Geld verdient werden wird", prognostiziert Oelbermann.

Die Unwägbarkeiten deutscher Sitten und Gewohnheiten hat aber zuletzt der Bezahlsender Premiere zu spüren bekommen. Im August 2005 startete der Sender zusammen mit Betandwin den Wettkanal Premiere Win, wo derzeit Pferderennen ausgestrahlt werden, auf deren Ausgang die Zuschauer wetten können. Mit dem Wegfall des Monopols möchte Premiere-Chef Georg Kofler den Abosender zu "einer Topmarke im Wettgeschäft" aufbauen. Dem stehen nicht nur die Verfassungsrichter noch im Weg: Obwohl der Bezahl-Sender für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga am meisten bot, ging der Sender dabei zuletzt leer aus. Kooperationspartner Betandwin erwägt nun dennoch, demnächst Live-Wetten im Internet zur deutschen Bundesliga anzubieten. Der Internet-Sportwettenanbieter hatte im Dezember von der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Zuschlag für die exklusiven Rechte zur internationalen Auslandsvermarktung der 1. und der 2. Bundesliga für die kommenden drei Saisonen erhalten. Deutsche Wetthungrige können bis auf weiteres legal daran nicht teilnehmen – das Angebot wird auf dem Portal Betandwin.de nicht zugänglich sein. (FDT)

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