Sportwetten-Monopol könnte heute fallen

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Das Bundesverfassungsgericht muss entscheiden, ob der Markt für Sportwetten liberalisiert wird. Die Klägerin, Betreiberin eines kleinen Münchner Wettbüros, könnte eine ganze Branche revolutionieren.

Sie will, dass es vorübergeht. Müde ist Irene Katzinger-Göth – müde und fast bankrott. Seit acht Jahren kämpft die 52-Jährige gegen den Freistaat Bayern, um in ihrem kleinen Wettbüro im Münchner Osten neben Pferde- auch Sportwetten anbieten zu dürfen. Auf rund 200 000 Euro belaufen sich ihre Gerichtskosten, ihr Geschäft schreibt tiefrote Zahlen, die sechs Mitarbeiter kann sie kaum noch bezahlen.

Oddset hält Monopol

Würden ihr nicht 40 nationale Buchmacher finanziell unter die Arme greifen, hätte Katzinger-Göth die Klage längst fallen gelassen. Am Dienstag entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die Münchnerin gegen den Freistaat Recht bekommt. Und ob private Unternehmer in Deutschland Sportwetten anbieten dürfen.

Bislang darf das lediglich Oddset, die staatliche Sportwette. Und einige Firmen wie Betandwin, Sportwetten-Gera und Wetten.de, deren Erlaubnis auf einer gesetzlichen Lücke kurz nach dem Fall der Mauer fußt. Damals sicherten sich findige Geschäftsleute wie der Berliner Bernd Hobiger eine Wetterlaubnis. Hobiger erhielt sie 1990 für 50 Mark im Ostberliner Magistrat Mitte. Es war eine Sache von Minuten. Heute wetten allein über Hobigers Internetshop Wetten.de fast eine Million Menschen.

Schnell wachsender Markt

Nach Angaben der Münchner Unternehmensberatung MECN geben die Deutschen jährlich mehr als 30 Milliarden Euro für Lotterie und Wettspiele aus – ein Riesen-Geschäft. Im Schnitt setzt jeder Bundesbürger pro Jahr 380 Euro – in der Hoffnung, mit ein bisschen Glück und fundiertem Wissen um die Tagesform von Fußballern einen guten Gewinn zu machen. Noch macht der Anteil der Wetten am Gesamtmarkt nur fünf bis zehn Prozent aus. Doch in allen Städten sprießen Wettbüros aus dem Boden, die das Verfassungsgerichtsurteil nicht abwarten wollen. Hunderte sind es schon. Ihr Firmensitz ist meist Malta oder Gibraltar, echte Steuer- und Rechtsparadiese für den jungfräulichen Markt.

Es ist die Vielseitigkeit, die viele Menschen am Wetten reizt. Sie tippen während der Spiele zum Beispiel darauf, wer das erste Tor schießt oder den ersten Eckstoß, wer zuerst vom Platz fliegt oder wann ein Torwart das erste Mal daneben greift. Und sie suchen sich ihre Wettpartner via Internet über Landesgrenzen hinweg. Bei Anbietern wie Betfair kann jeder eigene Wetten mit eigenen Quoten anbieten. Und quasi als privater Buchmacher auftreten.

Privat contra staatlich

Wird die Tipp-Leidenschaft nicht kontrolliert, steige die Zahl der Glücksspielsüchtigen rapide an, warnen die Verantwortlichen von Oddset. Ihr Standardargument für eine staatliche Kontrolle des Marktes. Die Konkurrenz von Betandwin und Co entgegnet, dass private Anbieter auch in einem liberalisierten Markt nur eine Lizenz bekommen, wenn sie verantwortungsbewusst handeln und etwa verschuldete Spieler nicht mehr wetten lassen. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob ein Verbot privater Anbieter die europäische Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit verletzt.

Hoffen auf die Justiz

Irene Katzinger-Göth ist optimistisch, dass das Karlsruher Gericht dem europäischen Recht Vorrang einräumt: „Ich bin immer positiv eingestellt.“ Fünf Akten-Ordner hat sie angehäuft, seit das Münchner Kreisverwaltungsreferat 1998 ihren Antrag auf ein Geschäft mit Sportwetten ablehnte: Dokumente aus Verfahren vor Verwaltungsgerichten, dem Bundesgerichtshof und eben dem Bundesverfassungsgericht.

60 Prozent ihrer Kunden hat die Münchnerin in den vergangenen acht Jahren verloren, weil Pferdewetten nicht so vielen Menschen Spaß machen wie Sportwetten. „Früher kamen 40 bis 60 Menschen pro Tag zu mir, jetzt sind es nur noch zehn bis 20“, klagt sie. Sie könnte wie ihre Konkurrenz Wetten auf Bundesligaspiele und Formel1-Rennen anbieten – darauf hoffend, dass die Behörden ein Auge zudrücken und nicht die Polizei vorbeischicken. Doch Irene Katzinger-Göth befolgt den Rat ihrer Anwälte: „Ich nehme keine Sportwetten ins Sortiment, bis Karlsruhe ein Urteil gefällt hat – und bin damit wohl das einzige Wettbüro in Deutschland, das nur Pferdewetten
offeriert.“

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