Chinas Zockerparadies auf den Weg....

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Vom Sündenbabel zum Familien-Freizeitpark: Das südchinesische Zocker-Mekka Macau erfindet sich neu. Schon bald wird es Las Vegas, bisher die weltgrößte Spielmetropole, eingeholt haben. Schuld daran sind die Amerikaner selbst - sie investieren Milliarden.


Gelassen wirft der weißhaarige Herr, Typ gemütlicher Landarzt, dem Croupier 300 Hongkong-Dollar Trinkgeld zu. Gerade hat er am Roulette-Tisch in verschiedenen Varianten auf die Zahl 20 gesetzt und gewonnen. Nun schaufelt er fröhlich einen Haufen schwarzer Chips zusammen. Sein Mitspieler schleicht frustriert davon. Alltag im legendären Casino Lisboa von Macau.

Trotz der frühen Nachmittagsstunde sind viele der Roulette-, Baccara- und Black-Jack-Tische besetzt. Nur in den VIP-Räumen in den oberen Etagen, im "Mona Lisa" oder im "Goldener Drachen"-Club haben sich die Kunden mit den dicken Brieftaschen noch nicht eingefunden. Die Angestellten vertreiben sich die Zeit mit einem Schwätzchen.

Das Lisboa zählt zu den traditionellen Etablissements in Macau, der Glücksspielmetropole Asiens. Es gehört dem mächtigsten Mann der ehemaligen portugiesischen Kolonie, Stanley Ho, 84. Fast ein halbes Jahrhundert besaß seine "Sociedade de Turismo e Diversões de Macau" das Casino-Monopol. Doch seit 2004 ist in der Enklave östlich von Hongkong eine neue Ära angebrochen. In jenem Jahr verlor der alte Ho seine 42-jährige Alleinherrschaft.

Zwei weitere Glückspielunternehmen, die amerikanische Las-Vegas-Sands-Corp. und die Wynn Resorts Ltd. sowie einige Unterkonzessionäre breiten sich seither in der Stadt am Perlflussdelta aus. Vor allem die Cowboys aus Nevada drehen das große Rad. Wenn sie ihre Scheckbücher zücken, dann fließen nicht Millionen, sondern Milliarden Dollar.

Seither erfindet sich die einst schläfrige 480.000-Einwohnerstadt neu. Bald dürfte sie sogar das Spielerparadies Las Vegas in den Schatten stellen. Schon hat sich die gewohnte Silhouette Macaus verändert. Am Fährhafen, wo Tag und Nacht die Tragflächenboote aus Hongkong anlegen (Eigentümer Stanley Ho), entstand ein neuer Kai mit Restaurants und Geschäften, genannt Fisherman's Wharf. Eine Kitschlandschaft mit künstlichem Vulkan und einer Replika des römischen Kolosseums schließen sich an.

Computeranimierter Croupier

Dahinter glitzert und blinkt das amerikanische Sands-Casino (auf chinesisch heißt es: "Goldener Sand"), das als erstes Haus der Newcomer Anfang vorigen Jahres eröffnete. Von seiner Decke hängen riesige Kordeln und ein 36 Meter langer Kronleuchter. Wie im Lisboa sind die Spielsäle "Perlenraum" und "Glücksaal" am frühen Nachmittag gut gefüllt. Die Amerikaner haben sich dem Geschmack des asiatischen Publikums angepasst: Roulette-Tische sind rar, bei den Einarmigen Banditen ist die Glückszahl acht der Gewinner. Chinesen bevorzugen Baccara und Black Jack sowie die typischen Spiele der Region: Fan Tan oder Hühnchen, Krabbe, Fisch und Klein und Groß.

In einer Ecke des Sands können Zocker virtuell beim Baccara ihr Geld verlieren: Auf einer Leinwand erscheint ein computeranimierter weiblicher Croupier im roten Kleid. Den Einsatz schieben die Spieler in einen Schlitz auf ihrem Tisch. Mehr im Blick haben die Amerikaner allerdings die sogenannten High Roller, jene Spieler, die Hunderttausende Dollar pro Spiel riskieren. Für sie steht im Sands der Paiza-Club bereit - mit feinen Suiten und gediegenen, holzgetäfelten Clubräumen. Zutritt haben nur handverlesene Mitglieder.

Frank McFadden, der irische Chef des Sands: "Hier soll sich die Elite wie die Elite fühlen und sich mit anderen Elite-Menschen treffen können." Diskretion ist Ehrensache. Die Clubbroschüre verrät: "VIP-Gäste haben Zugang zu privaten Jets, Limousinen, Hubschraubern." Rund um die Uhr stehen Butler, Zigarrenbar, Spa, Weinkeller und private Restaurants zur Verfügung.

McFadden, ein freundlich-bulliger Glatzkopf mit Marc-O'-Polo-Socken will in der holzgetäfelten "Bibliothek" des Paiza-Clubs eine Botschaft loswerden: Mit der Ankunft der Amerikaner im südchinesischen Glücksspiel-Geschäft ziehe auch ein anderer Stil in das südchinesische Zockerparadies ein, sagt er. Restaurants, Shows, Theater sollen nach seiner Ansicht die kalte Jagd nach dem Glück kultivieren. "Kredithaie und Nutten fliegen bei uns raus", versichert der Casino-Manager, der vor Journalisten gern über moralische Fragen philosophiert und sich dazu bekennt, keine Sonntagsmesse in der katholischen Kirche zu verpassen.

"Niemand wird sich mit uns anlegen"

Ganz so brav, wie er beteuert, geht es in den VIP-Suiten allerdings nicht immer zu, berichten Insider. Dass sein Unternehmen erfolgreich sein wird, bezweifelt McFadden nicht. "Unsere 265-Millionen-Dollar-Investition für das Sands hat sich innerhalb von neun Monaten rentiert", schwärmt er. Im ersten Quartal dieses Jahres flossen über 100 Millionen in die Casino-Kassen. Im Klartext: Allein im Sands wurden die Zocker Asiens um über 100 Millionen ärmer.

Nicht immer war das Klima in Macau so friedlich wie heute. Kurz vor der Übergabe der portugiesischen Kolonie an Peking 1999 kämpften chinesische Gangster um Anteile an den VIP-Räumen, beschossen sich Banden mit der Polizei, explodierten Bomben, lagen Leichen auf den Straßen. Seitdem die "Volksbefreiungsarmee" in Macau eingerückt ist, schweigen die Waffen.

Mit den Triaden hatte McFadden, wie er beteuert, noch keine Probleme. Der Grund ist nicht schwer zu erraten: "Wir haben als Großinvestoren ausgezeichnete Kontakte zu Peking", sagt er. "Niemand wird sich mit uns anlegen."

Wenn es ums Glückspiel geht, sind Pekings Kommunisten Meister der Doppelmoral. In China verbieten sie es, in Macau schützen sie es. Kopfschmerzen bereitet der KP allerdings die Spielsucht so mancher Partei- und Regierungsfunktionäre, die Steuergelder am Spieltisch verzocken. Nun dürfen die Casinos auf dem Festland keine Reklame mehr machen, die Regierung der Provinz Guangdong verbat den Reisebüros, Trips direkt zu den Casinos zu organisieren.

Die Amerikaner schreckt das nicht. Ähnlich wie Las Vegas wollen sie das Image Macaus verwandeln - vom Sündenbabel mit skrupellosen Kredithaien und Scharen von Prostituierten aus Russland und China in einen familienfreundlichen Freizeitpark. Tourismus, Konferenzen und Kongresse lauten die Schlagworte ihrer PR-Abteilungen. "Wir sind die Antithese zu dem, was war", sagt McFadden. "Mit unseren Investitionen bringen wir ein ganz neues Verständnis nach Macau."

In künstlichen Lagunen sollen Gondeln Gäste hin und hertransportieren

Dafür machen sie Macau einfach ein wenig größer: Zwischen den Inseln Taipa und Coloane schütten Bagger Sand und Steine zu einem neuen Landstreifen auf: dem Cotai-Strip mit neuen Casinos, Mega-Resorts und Kongresszentren. McFaddens Unternehmen allein investiert hier rund 1,2 Milliarden Dollar für sein "Venetian Macau"-Resort-Hotel (mit Dogen-Turm und Rialto-Brücke), und natürlich einem weiteren Casino. In künstlichen Lagunen sollen Gondeln die Gäste hin und hertransportieren. 2007 soll das Projekt fertig sein.

Aber gibt es überhaupt so viele Spieler für so viele Casinos? Wollen sich die Südchinesen überhaupt in so vielen Kongresshallen begegnen? Für McFadden ist die Antwort klar: China allein zählt jährlich 60 Millionen Kongressbesucher. Das makroökonomische Klima Chinas mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern stimme: "Wir sind stark davon überzeugt, dass wir das richtige tun."

Probleme mit dem Paten von Macau, Stanley Ho, hat er nicht. "Er lädt mich sogar zu seiner Neujahrs-Party ein." Ho hat allen Grund, entspannt zu bleiben. Noch immer besitzt er mit seinen Casinos über 80 Prozent des Marktanteils in Macau. Zudem folgt der alte Tycoon dem Trend. Direkt gegenüber der Bank of China und der Casino-Baustelle der amerikanischen Wynn-Gruppe und gleich neben dem Lisboa entsteht sein neues Grand Lisboa.

Die Kinder des listigen Patriarchen, Lawrence und Pansy, beteiligen sich mit eigenen Unternehmen am Cotai-Strip. Für Hunderte Millionen Dollar errichten sie dort Hote

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