Glücksspieler vor Gericht

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Die Inselpolizisten aus Norderney hatten einen simplen Auftrag. Sie kamen am Sportplatz vorbei und fragten bei Werder Bremen nach, ob die Mannschaft im Testspiel gegen TuS Pewsum das Logo des neuen Sponsors zeigen werde. Die Offiziellen des Fußball-Bundesligisten, der zum Trainieren auf der Insel verweilte, verneinten schnell. "Erstens ist das Logo noch gar nicht öffentlich", sagt Manfred Müller, Geschäftsführer für Marketing und Management bei Werder, "außerdem lag uns die Unterlassungsverfügung vor."

Dieses richterliche Schreiben hatte der Innensenator des Landes Bremen erwirkt, weil Betandwin, Werders neuer Trikotsponsor, illegales Glücksspiel betreibe. "Wir sind diese Woche gegen die Unterlassungsverfügung vorgegangen", sagt Müller. "Ich bin sicher, dass wir im Eilverfahren Recht bekommen werden." Dann dürfte Werder möglichst bald in Testspielen, dann im Ligapokal und in der Bundesliga mit dem Emblem auflaufen. Ob der Klub längerfristig auf den Partner bauen kann, bleibt abzuwarten.

Denn der rechtliche Status von Firmen wie Betandwin ist umstritten. Das Unternehmen agiert mit einer Lizenz aus DDR-Zeiten. Das lief einige Jahre gut. Die Bundesländer hielten sich wegen der unklaren Lage zurück, obwohl sie eigentlich mit Oddset das Monopol für Sportwetten beanspruchen, abgesehen vom Pferdesport. Im März aber entschied das Bundesverfassungsgericht, entweder müsse der Markt für Sportwetten liberalisiert werden oder Oddset müsse seine umfangreichen Werbeaktivitäten einstellen. Nur dann sei das Monopol zu rechtfertigen, um die Gefahr der Spielsucht einzudämmen. Nun entschied zudem das Bundesverwaltungsgericht, dass die DDR-Lizenz der Firma Sportwetten Gera nicht automatisch auch für die alten Bundesländer gelte. Ob das Auswirkungen auf Internetanbieter wie Betandwin hat, bleibt unklar.

Markige Worte aus Bayern

Doch die Ministerpräsidenten der Länder sind nun entschlossen. Sie wollen zügig das Monopol von Oddset endgültig festschreiben. Dessen Wettumsätze sind zuletzt eingebrochen, allein von Januar bis April um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem wurde die Werbung so gut wie eingestellt. Betandwin dagegen arbeitet europaweit mit riesigem Marketingetat, auch auf den Trikots des AC Mailand.

Aus Bayern kommen markige Worte: "Es gibt nur einen zulässigen Sportwettenanbieter, das ist Oddset. Alles andere ist illegales Glücksspiel und ein Straftatbestand", sagt Michael Ziegler, Sprecher des dortigen Innenministeriums. Ziegler ist mit dem Fall befasst, weil der Zweitligist 1860 München mit Betandwin als Hauptsponsor plant. Die Vereine haben sich auch auf die Deutsche Fußball-Liga verlassen, derzufolge Sponsoringverträge mit privaten Wettanbietern unbedenklich seien. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries erklärte kürzlich, es gebe viele Unsicherheiten, was deren Legalität betrifft. Deshalb ist "eine gefestigte Rechtspraxis bislang nicht ersichtlich".

Stefan Ziffzer, 1860-Geschäftsführer beklagt das "anachronistische Denken" der Politik. Der Erfolg privater Wettanbieter spreche für sich. Die könne man nicht aus der Welt schaffen. Zieglers Replik ist scharf: "Man kann Drogenhandel und Autodiebstahl auch nicht aus der Welt schaffen. Man muss aber dagegen vorgehen." Ein deutscher Fußballklub käme aber wohl kaum auf die Idee, für einen afghanischen Heroinhändlerring zu werben.

Manfred Müller sagt, es gebe keinen Plan B, falls Werder doch unterliege. Schon nächste Woche erwartet er Neuigkeiten aus dem Gericht. In seinem Sinne natürlich. BZ

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