In fünf Jahren kein Monopol mehr

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Interview. Bwin-Chef Manfred Bodner über seinen Kampf gegen die Glücksspiel-Monopolisten und seine Absicht, auch in Österreich Steuern zahlen zu wollen.

Die Presse: Der Chef des britischen Wettanbieters Bet-on-Sports wurde auf einem US-Flughafen verhaftet, da er in den USA Wetten anbietet. Sie bieten zwar in den USA keine Wetten, jedoch Casino-Spiele wie Poker an. Haben Sie Angst, Sie könnten auch verhaftet werden, wenn Sie in die USA fliegen?



Manfred Bodner: Überhaupt nicht. Bet-on-Sports ist ein Sonderfall, da dieses Unternehmen ganz klar gegen den Wire-Act von 1961 verstößt - wonach die Vermittlung von Wetten über das Telefon ausdrücklich verboten ist. Es gibt zwar immer wieder Versuche konservativer US-Abgeordneter, jegliches Glücksspiel über das Internet zu verbieten. Bisher wurden sie aber stets im Senat gestoppt.


Im September wird dem Senat erneut ein entsprechender Gesetzesentwurf vorgelegt. Was würde es für Sie bedeuten, sollte er diesmal angenommen werden?


Bodner: Das wären gute und schlechte Nachrichten für uns, wobei die guten überwiegen. Schlecht wäre, dass wir 20 bis 25 Prozent unseres Geschäfts verlieren. Gut wäre, dass wir die Nummer eins der Welt wären, da unsere zwei Hauptkonkurrenten zerstört wären. Denn die haben beide mehr als 80 Prozent ihres Geschäfts in den USA.


Daher wäre es für Sie sogar positiv, wenn diese strengere Regelung kommt.


Bodner: Es ist zynisch, das so zu sagen.


Die Presse: Würden Sie eigentlich trotz eines solchen Gesetzes Glücksspiele anbieten? Nach dem Motto: Wir haben eine internationale Homepage, und solange die nicht technisch blockiert wird, macht uns das nichts.


Bodner: Es hätte keinen Sinn, hier den Helden spielen zu wollen. Es gibt genügend andere Märkte, beispielsweise Europa. Dort ist die Rechtslage seit 2003 klar - die Mitgliedstaaten akzeptieren sie nur noch nicht.


Die Presse: Einer dieser Staaten ist Deutschland. Ihrer deutschen Tochter wurde die Geschäftstätigkeit untersagt - wogegen Sie Einspruch erhoben haben. Wie erklären Sie sich dieses massive Vorgehen?


Bodner: Seit März 2006 gibt es ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtshofs. Dabei hat er festgestellt, dass das derzeitige Glücksspiel-Monopol in Deutschland verfassungs- und europarechtswidrig ist. Eine zweite Aussage war, dass - wenn es ein Monopol geben soll - dieses dem Ziel der Eindämmung der Spielsucht folgen muss. Die Lotterie-Granden haben das Urteil voreilig als großen Sieg gefeiert. Und unter dem Schlachtruf, die Spielsucht zu bekämpfen, gibt es nun eine dramatische Radikalisierung einzelner Behörden, die das Urteil nach Ansicht unserer Anwälte vorsätzlich falsch interpretieren. Es beginnen jedoch mehr und mehr Hardliner sich darüber Gedanken zu machen, wie sich die Erlöse aus einem Glücksspiel-Monopol ohne Werbung entwickeln werden. Sie erkennen, dass nicht nur TV-Werbung für Lotterieprodukte und Sportwetten unterlassen werden müsste, sondern auch das Gros der 26.000 Annahmestellen aufgelassen werden müsste.


Die Presse: Diese Interpretation kommt allerdings von Ihnen. Das Urteil ist ja sehr widersprüchlich und sagt nicht konkret, wann der Schutz vor Spielsucht nicht mehr gewährleistet ist.


Bodner: Das stimmt, konkret sagt es das nicht. Aber auf EU-Ebene gibt es einige Urteile, die nicht so salomonisch sind. Und die EU-Kommission hat ja auch bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.


Die Presse: In Österreich ist die Situation anders. Bei Sportwetten gibt es kein Monopol, bei anderem Glücksspiel schon. Sie bieten über Bwin.com auch in Österreich Glücks- und Lotteriespiele an. Das ist nach geltender nationaler Rechtslage illegal. Wundern Sie sich, dass hierzulande niemand versucht, Ihnen Steine in den Weg zu legen?


Bodner: Ein Tochterunternehmen von uns aus Gibraltar bietet international Wetten und Glücksspiel an. Gibraltar ist Teil der EU. Und daher operiert unsere Tochter vollkommen legal in allen EU-Staaten. Das Glücksspiel wird von den Casinos Austria ja auch nicht zur Eindämmung der Spielsucht betrieben. Es wird betrieben, um Steuereinnahmen und Gewinne zu produzieren. Nicht nur für den Staat, sondern auch für Private. An den Casinos sind ja verschiedenste Banken beteiligt. Ich sehe da auch kein Staatsmonopol, sondern ein Unternehmen, das in der glücklichen Lage ist, im Besitz aller Lizenzen zu sein, die jemals vergeben worden sind.


Die Presse: Aber Sie haben kein Interesse, den österreichischen Verfassungsgerichtshof anzurufen?


Bodner: Wir würden uns zur Wehr setzen, wenn wir behindert werden. Aber ich freue mich, dass die europäische Angebotsfreiheit in Österreich respektiert wird. Auch wenn die nationale Gesetzgebung noch nicht angepasst worden ist.


Die Presse: Wann erwarten Sie, dass die Monopole in Europa endgültig fallen?


Bodner: De iure sind sie das schon, nur die Umsetzung fehlt.


Die Presse: Wann wird sie kommen?


Bodner: In spätestens fünf Jahren. Sobald eines der großen Länder auf den Druck aus Brüssel reagiert, gibt es einen Domino-Effekt.


Die Presse: Es geht bei der ganzen Sache um viel Geld. Und es ist ja legitim, dass ein Staat versucht, die Glücksspielsteuern im Land zu halten. Wären Sie bereit - wenn es nationale Lizenzen gibt - dann auch national zu versteuern?


Bodner: Ja, absolut. Man kann aber nicht von uns erwarten, dass wir ordnungspolitisch tätig werden und Steuermodelle erfinden. Wir wären aber bereit, eine dem Internet-Vertrieb angepasste Glücksspiel-Steuer zu zahlen. Ein Beispiel ist das englische Modell. Dort beträgt die Steuer zehn Prozent der Netto-Spieleinnahmen (Umsatz minus ausgeschüttete Gewinne).


Die Presse: In Ländern wie Österreich ist die Steuer aber deutlich höher. Hier betragen die Abgaben - je nach Spielart - 35 bis 80 Prozent der Netto-Spieleinnahmen oder 18,5 bis 27,5 Prozent des Umsatzes.


Bodner: In Österreich wurde das ja noch in der Monarchie von dem Kaiser für den Kaiser geschaffen. Das ist im Zeitalter des Internet definitiv kein wettbewerbsfähiges Steuer-Modell. Es kann nicht sein, dass Anbieter, die sich den europäischen Steuern unterwerfen, gegenüber außereuropäischen Konkurrenten nicht mehr wettbewerbsfähig sind.


Die Presse: Dem Aktienkurs hat der Gegenwind aus Deutschland bisher nicht gut getan. Wie erklären Sie einem Kleinaktionär, warum seine Aktien in wenigen Monaten drei Viertel an Wert verloren haben?


Bodner: Es kommt natürlich darauf an, wann die Aktien gekauft wurden. Zahlreiche Aktionäre sind frühzeitig bei einem Preis rund um 1,50 Euro eingestiegen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Kurs auf diesem Wert war. Da sind 30 Euro immer noch sehr schön. Durch die Entwicklung in Amerika und die Kommunikationspolitik deutscher Politiker, die durchaus bewusst mit - nennen wir es höflich - Halbwahrheiten an die Öffentlichkeit gegangen sind, wurde dem Endkonsumenten vermittelt, es würde das private Glücksspiel abgeschafft. Damit wurde Panik ausgelöst. diepresse

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