Hoher Einsatz vor Gericht

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Fiszel Ajnwojner hat viel zu verlieren. Erst im März hat der 51-Jährige in der Frankfurter Innenstadt sein neustes Sportwettbüro Kick-Tipp eröffnet. Elf Beamer hängen unter der Decke. 22 Flachbildschirme zeigen den Kunden die neusten Quoten und Ergebnisse von Fußballspielen rund um den Globus. Eine moderne Sound-Anlage sorgt für Stadionatmosphäre. "Sogar eine Behindertentoilette habe ich einbauen lassen", sagt Ajnwojner. Einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag hat der gebürtige Bayer in seinen edlen Wett-Tempel investiert.

Doch nun könnte ihm die Stadt den Laden bald dicht machen. Das Frankfurter Ordnungsamt hat bis Ende September 86 Unterlassungs- oder Schließungsverfügungen an private Wettanbieter verschickt. Und auch die anderen deutschen Großstädte machen Ernst. In Berlin geht der Senat gegen rund 330 private Buchmacher vor. Das gleiche Bild in Hamburg oder in München. Der Verband Europäischer Wettanbieter geht davon aus, dass deutschlandweit gut 2000 private Anbieter von Sportwetten von der Schließung bedroht sind. Dabei haben deutschlandweit in den letzten Monaten zahlreiche Wettbüros eröffnet.

Auch im Frankfurter Bahnhofsviertel: Im Schatten der gläsernen Bankentürme, zwischen Hauptbahnhof und dem Schauspiel, liegt die Münchener Straße. Etwa 600 Meter lang, voller Call-Shops, Spielhöllen, Imbissbuden und Ein-Euro-Läden. Die Kneipen heißen Pils- oder Bierstube. In der Nähe lockt der Erotic Palace mit seiner Leuchtreklame.

Mitten drin im bunten Treiben das Wettbüro Penalty. Gegenüber das Wettbüro Megabet. Und gleich daneben ein weiteres Kick-Tipp Wettbüro von Fiszel Ajnwojner. Im Gegensatz zu seinem neusten Laden in der Innenstadt gleicht dieses Büro jedoch eher einer Spelunke. Ajnwojner, der in Frankfurt insgesamt fünf Wettbüros betreibt, spricht vom "alten Charme".

Die Städte jedoch interessiert dieser Charme wenig, sie wollen den privaten Buchmachern das Handwerk legen. Die Behörden berufen sich bei ihrem Vorgehen auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes von Ende März. In dieser hatten die Karlsruher Richter das staatliche Glücksspielmonopol abgenickt, wenn die Länder bestimmte Auflagen erfüllen. Deren Lottogesellschaften dürfen beispielsweise die Zocker künftig nicht mit Werbung an ihre Tippschalter locken. Oberste Priorität müsse die Eindämmung der Spielsucht genießen, so die Richter.

Auch Fiszel Ajnwojner hat schon eine Unterlassungsverfügung bekommen. Doch kampflos will er sich seine Läden nicht dicht machen lassen. "Ich bin juristisch gegen die Verfügung vorgegangen", sagt er. Die meisten von Ajnwojners Buchmacher-Kollegen haben es genau so gemacht - allein in Frankfurt 83 von 86. Zum einen legen die Wettanbieter Widerspruch gegen die Verfügungen der Behörden ein, zum anderen ziehen sie vor das Verwaltungsgericht, um die sofortige Schließung zu verhindern.

Die Argumente der Buchmacher vor Gericht sind immer dieselben: Ein Teil beruft sich auf ihrer Auffassung nach gültige DDR-Lizenzen. Die im europäischen Ausland ansässigen Wettanbieter pochen auf die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit. Außerdem bemängeln viele, dass die staatlichen Lottogesellschaften eben doch für Wetten werben und keineswegs versuchen würden, die Spielsucht einzudämmen.

In diesen Fragen sind sich selbst die einzelnen Gerichte uneins. Mitte August wiesen die Berliner Verwaltungsrichter die Klage eines in Gibraltar ansässigen Wettanbieters zurück und bestätigten damit das staatliche Monopol im Bereich des organisierten Glücksspieles. Das Verwaltungsgericht Mainz dagegen verbot Mitte September die sofortige Schließung privater Wettbüros. Und die Frankfurter Richter haben sich noch gar nicht entschieden, so lange muss das Ordnungsamt warten und die Wettbüros bleiben offen.

Auch bei Fiszel Ajnwojner wird also noch getippt. Er hält die juristischen Argumente der Länder ohnehin lediglich für vorgeschoben. "Es geht vor allem ums Geld", sagt Ajnwojner . Die privaten Buchmacher würden mit besseren Quoten den staatlichen Gesellschaften die Zocker abwerben. Für die Länder sei das finanziell ein großer Verlust.

Das sieht sogar Ajnwojners Konkurrenz so: Ein Kiosk auf der Münchener Straße bietet die staatlichen Sportwetten an. "Seit es die privaten Wettbüros auf der Straße gibt, spielt kaum noch einer bei uns", sagt der Mann hinter der Ladentheke, der seinen Namen nicht nennen will. Wie stark sein Umsatz dadurch zurückgegangen ist, kann er nicht sagen. "Aber fragen Sie mal die staatliche Lottogesellschaft in Wiesbaden", sagt er, "die wissen ganz genau, wie viel Geld sie jede Woche verlieren." DieWelt

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