Die Öffentlichkeit steht auf unserer Seite!

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WELT.de sprach mit Jörg Wacker, Deutschland-Chef von Bwin, und Manfred Müller, Marketing-Chef von Werder Bremen, über ihren Konflikt mit dem Staat.

WELT.de: Herr Wacker, wie schädlich ist die aktuelle Situation für Bwin?

Jörg Wacker: Es schadet uns natürlich, wenn die Marke Bwin immer wieder mit dem Wort illegal in Verbindung gebracht wird. Denn wir haben ein legales Produkt mit einer gültigen Lizenz. Wenn jemand anderes behauptet, werden wir dagegen vorgehen.

WELT.de: Der Bekanntheitsgrad dürfte aber doch gestiegen sein?

Wacker: Das stimmt. Zuletzt haben wir beim Ranking der bekanntesten deutschen Trikotsponsoren Rang eins belegt. Das ist zwar schön, wiegt die Nachteile aber nicht auf. Zum Glück lassen sich unsere Kunden so gut wie gar nicht verunsichern. Die aktuelle Diskussion erreicht die meisten Menschen nicht mehr, weil sie sie nicht mehr verstehen.

WELT.de: Herr Müller, glauben Sie, dass Werder Bremen durch diesen Konflikt ein Imageschaden entsteht?

Manfred Müller: Nein. Die Öffentlichkeit steht klar auf der Seite der privaten Wettanbieter. Was Werder angeht, bekommen wir eigentlich nur Zustimmung. Kein Mensch versteht, dass der Staat sich so krampfhaft an diesem Monopol festhält und nicht in der Lage ist, den Markt zu öffnen, für den er ja schließlich die Rahmenbedingungen festlegt.

WELT.de: Aber trotzdem muss der Status Quo für Sie doch ziemlich unbefriedigend sein?

Müller: Zufrieden wären wir, wenn sich die Vernunft bereits durchgesetzt hätte. Sprich, wenn eine regulierte Öffnung des Sportwettenmarktes in Deutschland bereits Einzug gehalten hätte.

WELT.de: Wie sieht eigentlich der Kontakt mit der DFL und dem DFB aus? Bekommen Sie von dort Unterstützung?

Müller: Es gibt eine Arbeitsgruppe Sportwetten unter der Leitung von Wilfried Straub, in der ich mit anderen die Interessen der Deutschen Fußball Liga vertrete. Wir betreiben Aufklärung und versuchen, die Diskussion auf konkrete Modelle für eine Marktöffnung zu lenken. Zudem führen wir intensive Gespräche mit der Politik.

WELT.de: Welchen Standpunkt vertritt die DFL?

Müller: Die DFL fährt zu dem Thema eine ganz klare Linie. Sie will die Öffnung des Marktes. Denn die ganze Angelegenheit betrifft ja nicht nur Werder Bremen. Insgesamt kooperiert Bwin mit neun Vereinen aus der ersten und zweiten Bundesliga. Und auch andere Sportwettenanbieter - einschließlich Oddset - sind im Profifußball stark engagiert.

WELT.de: Alle Konfliktparteien schauen jetzt auf den November, wenn der Europäische Gerichtshof ein Urteil zur europäischen Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit fällen wird. Was erwarten Sie?

Wacker: Wir gehen davon aus, dass wir in unserer Rechtsauffassung bestätigt werden. Das bedeutet, dass wir auf Basis unserer Lizenz innerhalb der EU das Recht haben, private Sportwetten anzubieten. Momentan besitzen wir sogar zwei Lizenzen, aufgrund derer wir in Deutschland tätig sein dürfen. Zum einen unsere Lizenz in Sachsen, und zum anderen unsere EU-Lizenz. Wenn sich die Staaten an das Gemeinschaftsrecht halten, wird der Marktöffnung in Deutschland nichts mehr im Wege stehen.

WELT.de: Aber momentan ist die EU-Rechtsprechung doch auch schon auf Ihrer Seite. Trotzdem hält sich das Monopol in Deutschland.

Wacker: Der Druck wird immer größer. Wir gehen davon aus, dass das nächste anstehende Urteil die Gerichte zum Umdenken bringt. Schon jetzt beziehen sich in Deutschland zahlreiche Richter auf die EU-Rechtsprechung. Das Urteil wird ein deutlicher Schritt in Richtung Marktöffnung sein. WELT.de: Wie lange können Sie mit dieser Situation - selbst wenn sie sich mittelfristig zu Ihren Gunsten entwickelt - noch leben?

Wacker: Auch unsere Geduld ist irgendwann mal am Ende. Wir sind aktuell dabei, eine Staatshaftungsklage vorzubereiten und werden diese in Kürze einreichen. Wir tun das, weil uns bereits ein unmittelbarer Schaden entstanden ist.

WELT.de: Wie sieht der aus?

Wacker: Er setzt sich aus entgangenen Sponsorenleistungen, beträchtlichen Verfahrenskosten und dem Schaden an dem Image unserer Marke zusammen.

WELT.de: Wie hoch wird die Schadenersatzforderung sein?

Wacker: Wir gehen von einer siebenstelligen Summe aus. Dieses Verfahren wird einen Mustercharakter haben. Gewinnen wir diesen Prozess, werden wir in anderen Bundesländern ähnlich vorgehen.

WELT.de: Wo sehen Sie die größten Gegner?

Wacker: Es gibt einige Politiker, die das Monopol mit unerbittlicher Härte verfechten. Offiziell treten zwar alle für das Monopol ein. Doch viele wissen, dass damit keine tragfähige Lösung geschaffen wird. Deshalb sprechen sich intern zahlreiche gewichtige politische Stimmen inzwischen für eine Marktöffnung aus.

WELT.de: Können Sie sich eine Aktion wie zuletzt in Monaco, wo die beiden Chefs Ihrer österreichischen Konzernmutter verhaftet wurden, auch in Deutschland vorstellen?

Wacker: Nein, das ist hierzulande nicht denkbar. Das wäre staatliche Willkür. Es gibt ein aktuelles Urteil vom Oberlandesgericht München, das besagt, dass sich Veranstalter und Vermittler von privaten Sportwetten nicht strafbar machen. Dieses Urteil wird auch auf den Amateursport Auswirkungen haben. Die zuletzt teilweise skandalösen Entwicklungen dürften damit Geschichte sein. Es kann nicht sein, dass ein Amateurverein ins Visier der bayerischen Staatsanwaltschaft gerät, weil er auf den Trikots Bwin-Werbung trägt.

WELT.de: Warum sollte dieses Urteil eine solch klare Wirkung haben? Schließlich wird die Republik derzeit von Richtersprüchen zu diesem Thema überflutet.

Wacker: Dieses Urteil ist eine letztinstanzliche, klare Aussage, die es übrigens aus Stuttgart genauso gibt. Wenn das OLG sagt, dass das Veranstalten und Vermitteln von privaten Sportwetten nicht strafbar ist, bedeutet das im Umkehrschluss, es ist legal.

WELT.de: Ihre Gegner sagen, dass nur mit einem Monopol der Spielsucht Einhalt geboten werden kann.

Wacker: Das ist eine Doppelmoral, bei der mir wirklich die Worte fehlen. Auf der einen Seite predigen Bund und Länder, der Spielsucht Einhalt zu gebieten und auf der anderen Seite tun sie alles, um ihre Einnahmen aus dem Glücksspiel zu erhöhen.

WELT.de: Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Wacker: Es wurde zu Jahresbeginn die gesetzlich zulässige Anzahl der Geldspielautomaten in deutschen Gaststätten erhöht. Hier hat der Bund offensichtlich keine Probleme mit der Spielsucht. Dabei stehen Glücksspielautomaten in jeder Spielsucht-Statistik ganz oben.

WELT.de: Welche Entwicklung erwarten Sie in dem Konflikt bis zum Jahresende?

Wacker: Wenn sich das Monopol durchsetzt, gibt es nur Verlierer. Schon jetzt wird deutlich, dass sowohl bei staatlichen Sportwetten als auch beim Lotto Umsätze und Gewinne massiv sinken. Wir hoffen, dass auch deshalb Bund und Länder bald einlenken.

Müller: Am Rande der Sportministerkonferenz haben verschiedene Politiker in abendlichen Gesprächen zu mir gesagt. "Wir sitzen auf einem sterbenden Pferd. Das geht zwar nur noch langsam voran, aber keiner mag absteigen.' Jemand hat sogar erklärt: "Ein Cowboy steigt erst ab, wenn das Pferd tot ist.'

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