Kurscrash

 |   |  0 Kommentare |  Kommentieren |  218 mal angesehen
Aktionäre von Internet-Glücksspielanbietern sind drastische Kursschwankungen inzwischen ja gewöhnt. Heute aber kam es besonders dick: Nachdem der US-Kongress ein Gesetz zum Verbot von Web-Wetten verabschiedet hat, verloren einige Anbieter bis zu 65 Prozent ihres Aktienwertes.

Wien/London - Für bwin nehmen die schlechten Nachrichten kein Ende. Nach der US-Entscheidung vom Wochenende brachen die Aktien des österreichischen Anbieters heute um zeitweise 20 Prozent ein. Zuletzt lagen sie 16 Prozent tiefer bei 17,46 Euro. Seit Januar schlägt damit ein Minus von knapp 80 Prozent zu Buche.

Am Samstag hatten der US-Senat und das Repräsentantenhaus überraschend den "Unlawful Internet Gambling Act" verabschiedet - ein Gesetz, das die meisten Formen von Internet-Glücksspiel verbietet, sofern Präsident George W. Bush es unterzeichnet. Demnach dürften US-Banken und Kreditkartenfirmen kein Geld an Betreiber von Internet-Spielen übertragen.

Die Kursverluste bei bwin hielten sich im Vergleich zu denen bei Konkurrenten sogar noch in Grenzen. Analysten führten das darauf zurück, dass bei bwin bereits massive Verluste im Kurs eingepreist seien. Die Aktien von Online-Glücksspielanbietern wie PartyGaming, 888 Plc, Neteller oder Sportingbet verloren zwischen 45 und 65 Prozent ihres Wertes.

Bereits am Wochenende hatten mehrere Glücksspielanbieter angekündigt, ihre Geschäfte in den USA auszusetzen. Sie warnten vor erheblichen Gewinneinbrüchen, da sie einen großen Anteil ihrer Geschäfte in den USA machten. Der Umsatz mit Glücksspielen im Internet wird auf jährlich 15 Milliarden Dollar (knapp 11,8 Milliarden Euro) weltweit geschätzt.

Bislang war die US-Gesetzgebung zum Glücksspiel im Internet eher vage, die Branche rechnete aber bereits seit zwei Jahren mit einer Verschärfung. Der Kongress beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1961, das die Nutzung von bundesstaatlichen Grenzen überschreitenden Telefonleitungen für Wetteinsätze verbietet und das organisierte Verbrechen bekämpfen sollte. Der Chef des Online-Poker-Anbieters PartyGaming mit Sitz auf Gibraltar, Mitch Garber, warf den USA Scheinheiligkeit vor. Pferderenn-Wetten und staatliche Lotterien stünden im Gegensatz zum Poker unter dem ausdrücklichen Schutz des neuen Gesetzes.

"Die Situation ist brenzlig"

In den vergangenen Wochen waren mehrere Geschäftsführer von Internet-Glücksspielanbietern in den USA festgenommen worden. Der Chef des Anbieters Sportingbet, Peter Dicks, durfte nur gegen Zahlung einer Kaution nach Großbritannien zurückkehren, wo er von seinem Amt zurücktrat; der Chef von BetOnSports, David Carruthers, darf den US-Bundesstaat Texas vorerst nicht verlassen und wurde entlassen.

Auch Europa geht verschärft gegen die Anbieter von Glücksspielen im Internet vor: In Frankreich wurden vor rund zwei Wochen die Chefs von bwin wegen illegalen Betriebs von Glücksspielen festgenommen und erst gegen Kautionen von je 300.000 Euro auf freien Fuß gesetzt. Sie waren im Trainingszentrum des Fußballclubs AS Monaco in Südfrankreich festgenommen worden, wo sie bwin als Sponsor des Vereins vorstellen wollten.

Bwin hat auch mit Gegenwind in Deutschland zu kämpfen. Hier beharren einige Bundesländer auf dem Monopol und haben bwin Sportwetten untersagt. Diesbezügliche Verfahren sind anhängig. Das staatliche Wettmonopol in Deutschland und in anderen Ländern sorgt seit längerem für Streit. Dabei geht es der EU-Kommission weniger um das Monopol an sich, als darum, ob die Beschränkungen für private Wettanbieter nach EU-Recht gerechtfertigt sind.

"So wie es aussieht, ist die Situation brenzlig für bwin. Man kann sagen, sie stehen an der Kippe zur Existenzgefährdung", sagte Leopold Salcher von der Raiffeisen Centrobank angesichts der Entscheidung aus den USA. Auch Alfred Reisenberger, Chefanalyst bei der CA IB, beurteilt die Situation als "sehr schlecht für bwin". "Sie verlieren rund ein Drittel ihres Geschäftes durch den Wegfall der US-Aktivitäten. Ich bin kein Jurist, aber es sieht so aus, als ob es unmöglich ist, das US-Geschäft weiter zu betreiben." "Die Entscheidung vom US-Kongress ist sehr überraschend gekommen. Es war aber klar, dass sie vor der Wahl im November noch eine Entscheidung durchboxen mussten", sagte Salcher. spiegel

Kommentare

Gute Wettanbieter

Expekt Wettanbieter Bet365 Wettanbieter Tipico Wettanbieter Sportingbet Wettanbieter