Die Rückkehr des Poker-Spiels

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Das Glücksspiel auf dem Bildschirm boomt: Eine Viertelmillion Deutsche zockt regelmäßig an den virtuellen Spieltischen - zur Besorgnis von Suchtexperten. Die Politik hat dem Treiben in der rechtlichen Grauzone bislang hilflos zugesehen. Jetzt erwägt sie ein Totalverbot.

Das beliebteste Spiel im Netz heißt Poker - es ist so populär wie einst im Wilden Westen. Seit im Fernsehen Turniere übertragen werden, erlebt Deutschland einen Poker-Boom, der selbst Anhänger des Spiels überrascht hat. "Wir haben damit einen Trend gesetzt", sagt DSF-Sprecher Fabian Schiffer. Der Sender erreicht mit seinen Poker-Übertragungen im Schnitt 200.000 Zuschauer, für das DSF ist das eine sehr gute Quote. Vor kurzem wurde ein neues Rechtepaket ersteigert, bis Ende 2008 sind 800 Stunden Poker im Programm eingeplant.

Suchtexperten sind von den Fernsehübertragungen weniger begeistert. "Poker wird derzeit geschickt vermarktet", warnt Ilona Füchtenschnieder vom "Fachverband Glücksspielsucht." Der Zuschauer bekomme "junge, sportliche, fitte Typen" präsentiert, mit denen man sich leichter identifizieren könne als mit Ganoven aus dem Hinterzimmer. So sei eine Fangemeinde aus vornehmlich jungen Männern entstanden, die das Kasino scheut und stattdessen im Netz spielt.

Enorme Zuwächse

Die Londoner Wirtschaftsberatung MECN geht davon aus, dass etwa 260.000 deutsche Poker-Spieler im Internet aktiv sind, die Betreiber der Online-Poker-Portale rechnen sogar mit 800.000 deutschen Kunden. Der Markt ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Das englischsprachige Portal "Party Poker" etwa, auf dem täglich 130.000 Spieler zocken, setzte 2005 mehr als 850 Mio. Dollar um, drei Jahre zuvor waren es nur 10 Mio. Dollar. Die Betreiber behalten drei bis fünf Prozent des Einsatzes als Kommission. Ein ertragreiches Geschäft: Nach Angaben von MECN spielen weltweit fünf Millionen Menschen Online-Poker, es geht um Einsätze von insgesamt 60 Mrd. Dollar.

Experte: Internet ist eine schlechte Plattform

Nach Ansicht von Suchtexperten ist das Internet jedoch keine gute Plattform für Glücksspiele. "Sie können jederzeit in jedem Zustand spielen, ob betrunken oder im Schlafanzug", sagt Tobias Hayer, Diplom-Psychologe und Glücksspielforscher an der Universität Bremen. Außerdem seien schnelle, parallel laufende Spiele möglich. Während man am virtuellen Black-Jack-Arm zieht, können gleichzeitig noch Sportwetten platziert oder Lotto-Tippscheine ausgefüllt werden. "Das Wohnzimmer kann so zu einem wahren Glücksspieltempel werden", mahnt Hayer.

Außerdem fehle es an sozialer Kontrolle und Jugendschutzmaßnahmen. Wie Spieler geschützt werden können, etwa durch Sperren oder limitierten Einsatz, sei wissenschaftlich kaum erforscht, entsprechend uneinheitlich sind die Maßnahmen der Glücksspiel-Anbieter im Netz. Und wenn ein Spielsüchtiger auf einer Seite gesperrt wird, genügt im Zweifel ein Klick, um zum nächsten Angebot zu gelangen. Denn die Glücksspiel-Welt ist schier grenzenlos: Experten gehen davon aus, dass es im World Wide Web etwa 2500 professionelle Glücksspiel-Seiten gibt.

Der Staat wird aktiv

Die Länder haben sich daher im Sommer auf den Entwurf zu einem neuen Lotteriestaatsvertrag geeinigt, der von 2008 an gelten soll und das Glücksspiel im Internet insgesamt verbietet. Wer ohne Erlaubnis ein Glücksspiel veranstaltet oder daran teilnimmt, macht sich zwar schon heute strafbar, doch die Server der Poker-Portale stehen meistens auf Malta, der Isle of Man oder in Gibraltar. Deutschland ist eine rechtliche Grauzone, in der Spieler ungestört und grenzenlos um Geld zocken können, dafür aber nicht belangt werden.

Gegen die Server im Ausland werden deutsche Behörden auch in Zukunft kaum vorgehen können. Vorbild könnte stattdessen ein Gesetz sein, welches jüngst vom US-Kongress verabschiedet wurde. Es verbietet Kreditkartenbetreibern, Zahlungen an Glücksspiel-Anbieter im Internet zu tätigen.

Totales Verbot kaum durchsetzbar

Die Praxistauglichkeit dieses Modells darf jedoch bezweifelt werden. Wer ein Konto bei einer ausländischen Bank eröffnet oder mit dem Poker-Portal über eine Art "Prepaid-Karte" abrechnet, wird auch ohne Kreditkarte spielen können. "Ich bezweifle, dass ein totales Verbot im Web durchsetzbar ist. Es macht womöglich mehr Sinn, ein staatlich kontrolliertes Angebot in restriktiver Weise anzubieten", sagt Glücksspielforscher Hayer. So hat es das Bundesverfassungsgericht auch für den Sportwettenmarkt entschieden. Bei einem Verbot wachse nur die illegale Subkultur.

Die Poker-Gemeinde hat neben dem Internet schon ein zweites Spielfeld entdeckt. In Restaurants und Bars finden deutschlandweit im Monat 30 bis 40 Turniere statt, organisiert vom Deutschen Poker Verein. Obwohl es den Verein erst seit einem halben Jahr gibt, hat er bereits 3000 Mitglieder, jede Woche kommen etwa 150 neue hinzu. Bei den Turnieren wird um Sachpreise und mit begrenztem Einsatz gespielt, daher sind sie genehmigungsfrei und werden nach derzeitiger Rechtsauffassung nicht als Glücksspiele betrachtet. Das Interesse am Offline-Poker nimmt zu, allein beim Online-Auktionshaus Ebay werden mehrere hundert Chipkoffer angeboten.

Gefahr für die Studienleistungen

Suchtexperten wie Hayer betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Studien aus den USA hätten gezeigt, dass Poker spielende College-Studenten ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen seien. Vor allem junge, männliche Erwachsene seien gefährdet. Ob der Spieler gewinnt oder verliert, der Drang zum Weiterspielen steige: Sei es, um zu üben oder um statt der Sachpreise endlich online Geld zu gewinnen.

Für Thomas Michalski, Vorsitzenden des Deutschen Poker Vereins, sind diese Vorwürfe nicht haltbar. Poker sei kein Glücksspiel, sondern habe eine "hohe strategische, mathematische und psychologische Komponente", sagt Michalski am Rande eines Turniers in Potsdam. Poker sei nur ein Hobby und der Verein will professionelle Strukturen schaffen, Vereinsheime unterhalten, Lehrgänge anbieten. "Basisarbeit", sagt Michalski. In Potsdam schauten zwei Frauen vom Ordnungsamt den Spielern über die Schulter. Zu bemängeln hatten sie nichts, wie eine Sprecherin der Stadt Potsdam bestätigt: "Da ist ja kein Geld über den Tisch gewandert." die-Welt

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