GLÜCKSSPIEL / Forscher untersuchen einen Markt

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Fortuna hat gut lachen, auch wenn ihr Bundesrichter und Kartellwächter in jüngster Zeit immer häufiger in die Quere kommen. Seit Jahren brummt der Glücksspielmarkt, trotz Diskussionen über Spielsuchtgefahren und die Monopole der staatlichen Lottozentralen.
"Rund die Hälfte der Bundesbürger nimmt regelmäßig an Glücksspielen teil", sagt Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Rund 30 Milliarden Euro gaben sie im vergangenen Jahr dafür aus. Damit wurde fast so viel Geld auf Zahl, Platz und Los gesetzt, wie alle deutschen Universitäten für Forschung und Lehre zur Verfügung hatten. "14 Milliarden Euro wurden in Spielautomaten geworfen, die in Spielhallen, Gaststätten oder Casinos stehen", nennt Professor Becker das beliebteste Zockerspiel. 10 Milliarden Euro investierten Glücksritter in Lotto und andere Lotterien. Drei Milliarden Euro gingen über Casinotische. Nur schwer abzuschätzen ist das Geschäft mit Sportwetten. Zwar beziffern die Lotteriegesellschaften die Umsätze mit ihren Oddset-Wetten auf 420 Millionen Euro. Private Anbieter veröffentlichen aber nur ungern genaue Zahlen. "Bis zu drei Milliarden Euro wurden auf Fußballer oder Pferde gesetzt", rechnet Becker hoch. Tendenz steigend. Unternehmen wie die österreichische Bwin haben staatlichen Oddset-Wetten massiv Marktanteile abgenommen. "Die privaten Anbieter schütten 90 Prozent der Einsätze aus", nennt Becker den Grund. Bei Oddset sind es 80 Prozent. Die Differenz spiegelt die Abgaben der Lotteriegesellschaften wider, der sich viele Wettanbieter durch Geschäftssitze in Steueroasen entziehen. Der Siegeszug der Sportwetten scheint logisch: "Kaum ein anderes Spielangebot ist von der Gewinnquote her so lukrativ", erläutert der Hohenheimer Forscher. So fällt beim Automatenspiel weniger als die Hälfte des Spielgeldes wieder aus dem Ausgabeschlitz. Nur geringfügig besser ist die Quote beim Lot-to: 50 Prozent der Einsätze fließen an die Spieler zurück. Vorausgesetzt, es wird nicht bei privaten Lotto-Vermittlern getippt. "Diese ziehen bis zu 30 Prozent als Gebühr vom Einsatz ab", sagt Becker. Von jedem Euro Spielgeld bleiben so nur 35 bis 40 Cent für die glücklichen Gewinner. Theoretisch rechnet sich der Casinobesuch am ehesten. "Etwa 97 Prozent der Rouletteeinsätze zahlen die Croupiers als Gewinn zurück", erläutert Becker. Die Hohenheimer Forschungsstelle, vor zwei Jahren gegründet, vereint Wissenschaftler aus zwölf Fachgebieten. "Es ist die weltweit einzige Forschungsstelle, die alle Facetten des Glücksspiels untersucht", betont ihr Leiter. Denn traditionell stehen beim Glücksspiel juristische Fragen und die Suchtproblematik im Fokus. "Wir decken auch Mathematik, Statistik und Ökonometrie, Ordnungspolitik, Finanz und Kommunikationswissenschaften, Verbraucherverhalten, Marketing, Spiel- und Wirtschaftstheorie ab", zählt Becker auf. Selbst die Geschlechterforschung bewegt die Experten. "Warum sind etwa 80 Prozent aller pathologisch auffälligen Spieler Männer, während bei Kaufsucht 90 Prozent der Betroffenen weiblich sind?", nennt der Professor eines dieser Themen. Aktuelle Entwicklungen berücksichtigen die Forscher sofort. Im Frühjahr hatte das Bundesverfassungsgericht über die Zulässigkeit privater Anbieter bei Sportwetten geurteilt. Demnach darf das staatliche Monopol bestehen bleiben, wenn keine aggressive Werbung stattfindet und mehr Suchtprävention betrieben wird. Den Ländern, die am Glücksspiel jährlich fast fünf Milliarden Euro verdienen, wurde aufgegeben, bis 2007 entsprechende Regelungen zu formulieren. Im August hat das Bundeskartellamt verfügt, dass staatliche Lottogesellschaften private Vermittler neben sich dulden müssen. Kürzlich hatten die staatlichen Lottozentralen ihre Online-Spielportale auf Anweisung der Kartellbehörde abgeschaltet. "Einem gewerblichen Vermittler kann man Werbung aber sicher nicht verbieten", kritisiert Becker die gegensätzlichen Absichten von Richtern und Wettbewerbshütern. "Bisher ist der Glücksspielsektor völlig inkonsistent geregelt", so der Experte. Wer künftig zu den Gewinnern bei Geschäften mit Fortuna zählt, bleibt spannend.hnp

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