Interview mit Bwin CEO

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Es geht vor allem um Geld und Macht"
Bwin-Vorstand Norbert Teufelberger im STANDARD-Gespräch über vier Tage im Gefängnis, eine neue Glücksspielaufsicht und mögliche neue Gefahren aus Brüssel.

STANDARD: 2006 war ein Annus horribilis für Sie: Deutsche Behörden bezeichnen Bwin als "illegal", die USA drehen ihre Poker-Plattform ab, in Frankreich wurden Sie und Ihr Vorstandskollege sogar verhaftet. Die Sportlerfrage: Wie fühlen Sie sich danach?

Teufelberger: Zusammengefasst gesagt, es kann nicht viel schlimmer kommen. 2007 sollte ein viel besseres Jahr werden.

STANDARD: Sie sind angeblich auch persönlich bedroht worden?

Teufelberger: Das ist zu heikel, um in einem Interview etwas darüber zu sagen. Aber wenn man vier Tage eingesperrt wird, wird es persönlich.

STANDARD: Ihr Resümee des Frankreich-Abenteuers im September?

Teufelberger: Es geht um sehr viel Geld. Da sieht man sich Kräften gegenüber, die nicht scheu mit gewissen Mitteln umgehen. Man hat uns in Frankreich als Zeugen geladen, hat uns aber nicht kontaktiert, sondern festgenommen und vier Tage ins Gefängnis geworfen. Das finden wir überzogen in Mitteleuropa.

STANDARD: Werden Sie Beschwerde beim Gerichtshof für Menschenrechte einlegen?

Teufelberger: Wir diskutieren zurzeit mit unseren Anwälten, ob das etwas bringt.

STANDARD: Seit dem STANDARD-Montagsgespräch, bei dem Sie und ein Casinos-Vorstand anwesend waren, gibt es dem Vernehmen nach wieder eine Gesprächsbasis mit Casinos Austria. Worüber sprechen Sie?

Teufelberger: Wir bemühen uns seit Jahren darum, weil wir nicht unbedingt das Gefühl haben, dass wir Gegner sind. Eine Gesprächsbasis gibt es noch nicht. Aber es kommt ein neues Management, und da hoffen wir auf eine Diskussion, die für beide von Vorteil ist. Es könnte ja sein, dass man in Österreich ein Gesetz für Online-Gaming macht.

STANDARD: Sonst interessiert Sie nichts am süßen Glücksspielkuchen?

Teufelberger: Weder stationäres Kasinogeschäft noch stationäre Wettbüros noch Lotterien. Wir sind ausschließlich im digitalen Vertrieb tätig.

STANDARD: Wäre das englische Modell – Lizenzen an diverse Betreiber, eine staatliche Aufsichtsbehörde – in Ihrem Sinn?

Teufelberger: In England gibt es Gesetze für Wetten, aber noch nicht für Kasino und Poker. Die staatliche Aufsicht, die in Österreich so oft bemüht wird, ist ja so, dass 1986 die staatliche Glücksspielmonopolverwaltung in die Lotterien integriert wurde. Man kontrolliert sich also selbst. Man sollte eine gesamtverantwortliche Behörde schaffen. Und dann würden Untergriffe gegen uns, wenn behauptet wird, dass bei Bwin Geld gewaschen werde, nicht mehr möglich sein.

STANDARD: Apropos: Haben Sie von der Kanzlei Böhmdorfer schon die Klage wegen angeblich illegaler Spielangebote im Internet bekommen?

Teufelberger: Wir sind seit sechs Jahren börsenotiert. Solche Vorwürfe in den Raum zu stellen ist lächerlich. Wir rechnen aber damit, dass etwas kommen wird. Aber solche Dinge werden nach Frankreich von uns grundsätzlich willkommen geheißen. Wir wollen bei Bwin vor allem eines: Rechtssicherheit.

STANDARD: Im STANDARD-Interview sagte jüngst Casinos-Vorstand Dieter Hoscher, mehr legales Angebot führe zu mehr Spielsucht. Ihre Replik?

Teufelberger: Das stimmt nicht. Wenn man heute in Europa Glücksspiel anbietet und sich an diesem Spielsuchtargument ausrichtet, dann bedeutet das auf jeden Fall, die Werbung drastisch zu reduzieren. Vor allem auch von den Monopolisten. Die Casinos sind aber der viertgrößte Werber im Land. Es geht vor allem um fiskalische Interessen, um viel Geld. Und um Macht.

STANDARD: Was Sie ja unmittelbar gespürt haben.

Teufelberger: In Frankreich ist das Innenministerium Zehn-Prozent-Aktionär an Française des Jeux. Da kann man schon sagen, dann sperren wir halt einmal wen ein.

STANDARD: Dass Staaten immer um Steuereinnahmen fürchten, das ist aber doch zu erwarten gewesen.

Teufelberger: Dass bei einer Privatisierung die Einnahmen wegbrechen, stimmt ja nicht. Schauen Sie in den Telekomsektor, da ist noch immer die Telekom Austria stärkstes Unternehmen. Aber: Mehr Wettbewerb – gut reguliert – ist für alle von Vorteil, für die Konsumenten, aber auch für die Steuereinnahmen. Das muss für Österreich nur noch nachgerechnet werden, das werden wir auch tun.

STANDARD: Bwin sitzt im Steuerparadies Gibraltar. Sie werden doch sicher nicht alles in Österreich versteuern?

Teufelberger: Grundsätzlich ist ein steueroptimaler Standort legitim. Wir mussten uns einen Standort suchen, der uns erlaubt, Lizenzen für das EU-weite Anbieten des gesamten Produktportfolios zu lösen. Aber wir sind bereit, über ein System zu sprechen, das das Abführen einer wettbewerbsfähigen Steuer für das Österreich-Geschäft inkludiert. In England sind es 15 Prozent vom Bruttospielertrag.

STANDARD: Die Casinos zahlen aber einen viel höheren Satz.

Teufelberger: Fürs Online-Geschäft zahlen sie 40 Prozent, aber sie sind einziger Lizenznehmer. Wir haben den operativen Standort in Gibraltar, aber in Österreich 400 Arbeitsplätze. Es ist nicht so, dass wir keine Steuern zahlen. Wir zahlen nur keine Wettgebühr.

STANDARD: Seitens des EuGH droht Ihnen als Privater aber trotzdem noch weiter Gefahr. Die Branche und die Gesetzgeber warten ja nach dem wegweisenden "Gambelli"-Urteil nun auf den Fall "Placanica".

Teufelberger: Grundsätzlich stimmt uns die seit Mai vorliegende Empfehlung des Generalanwalts optimistisch. Sollte der EuGH nicht folgen, mit dem Effekt, dass nationale Gesetzgeber es sich richten können wie sie wollen, dann muss man schon sagen, dass ein Geschäftsmodell à la Bwin keinen Sinn mehr hätte. Die Signale aus Brüssel stimmen uns jedoch zuversichtlich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2006)

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