Streit um Trikotwerbung für illegales Glücksspiel

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Das Innenministerium fährt im Streit um die Trikotwerbung des SV Werder Bremen für illegales Glücksspiel eine harte Linie. Das Landesverwaltungsamt darf sich öffentlich nicht äußern. Der Fußball-Bundesligist reagiert gelassen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper ( SPD ) wundert sich in diesen Tagen über vieles. Eine Bestandsaufnahme.

Magdeburg. Martin Krems, Sprecher von Innenminister Holger Hövelmann ( SPD ), schickte den Bremern nach deren Freundschaftsspiel am Dienstag gegen den 1. FC Magdeburg unfreundliche Grüße hinterher. Der Bundesligist habe sich wissentlich über den Willen der sachsen-anhaltischen Behörden hinweggesetzt, sagte er. Zugleich bekräftigte der Sprecher, der Straftatbestand der Werbung für illegales Glücksspiel sei erfüllt. Und da müsse man das Spitzenteam von Werder Bremen genauso behandeln wie jeden anderen. Krems : " Es kann nicht sein, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt. " Deswegen würden das Landesverwaltungsamt, das Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Magdeburg die Staatsanwaltschaft über die Vorgänge beim Spiel informieren.

Manfred Müller, Werder Bremens Marketing-Geschäftsführer, der seinen Vertrag gerade um weitere zwei Jahre bis 2009 verlängert hat, erklärte dazu : " Wir sehen einer möglichen Klage gelassen entgegen, weil wir uns nichts vorzuwerfen haben. Eine Verfügung, wonach wir nicht mit der bwin-Werbung hätten spielen dürfen, lag uns aus Sachsen-Anhalt nicht vor. "

Beim Testspiel im thüringischen Erfurt, das wenige Tage zuvor stattgefunden hatte, sei das anders gewesen. Da sei Werder ein entsprechendes Schreiben zugegangen, und man habe darauf reagiert.

In der Tat hatte das Landesverwaltungsamt die Stadt Magdeburg nicht explizit dazu aufgefordert, Werder Bremen die Trikotwerbung für den Sportwettenanbieter bwin. de per Untersagungsverfügung zu verbieten. In dem Schreiben vom 22. Dezember 2006 war lediglich die Rede davon, die Stadt solle " darauf hinwirken ", dass Werder auf die gesponserten Trikots verzichtet. Die Stadt Magdeburg wies denn auch in ihrem Fax vom 23. Januar 2007 die Geschäftsstelle von Werder Bremen auf die Rechtslage hin (" diese Werbung ist unzulässig ") und bat um entsprechende Beachtung.

Den Schilderungen von Oberbürgermeister Trümper zufolge informierten der Rechtsanwalt der Stadt, Michael Backhaus, und einer seiner Mitarbeiter vor dem Aufwärmtraining Werder-Manager Klaus Allofs über die Rechtsklage. Allofs, der " wegen des Rasenzustands auf 180 war " ( Trümper ), habe zugesichert, die geltende Rechtslage einzuhalten.

Das Aufwärmen in Trainingsanzügen sei noch ohne das umstrittene Logo erfolgt, doch beim Spiel dann habe der Schriftzug auf den Trikots gestanden, sagte Trümper. " Was hätte ich denn machen sollen ?", fragte er gestern. " Hätte ich das Spiel abbrechen und den Spielern die Trikots ausziehen sollen ? Hätte ich die denn verhaften sollen ?"

Werders Marketing-Geschäftsführer Manfred Müller (" Wir haben einen Vertrag mit bwin, und den halten wir ein ") wies darauf hin, dass die Glücksspiel-Problematik in Deutschland unterschiedlich gehandhabt werde. " Selbst in Nürnberg, das bekanntlich zu Bayern gehört, sind wir so aufgelaufen. Und auch in Aachen ", so Müller, den wie seine Vorstandskollegen der Vorgang dennoch nicht kalt lässt : " Da kommen wir für, kleines Geld ‘ nach Magdeburg, weihen das neue Stadion ein, und das ist nun der Dank dafür ... "

Wie paradox die Situation hinsichtlich der Werbung mitunter sein kann, verdeutlicht auch folgendes Beispiel : Am 3. Bundesligaspieltag Ende August 2006 war Werder untersagt worden, gegen Schalke in der Gelsenkirchener Veltins-Arena mit bwin aufzulaufen. Rund 100 Kilometer weiter fand in Aachen, das ebenfalls zu Nordrhein-Westfalen gehört, ein Reitturnier statt – mit bwin als Hauptsponsor.

Volker Rehboldt, Präsident des 1. FC Magdeburg, sagte gestern : " Ich kenne den Vorgang, gebe dazu aber keine Stellungnahme ab. Ich bin doch nicht lebensmüde !" Rehboldt weiter : " Das gilt im Übrigen für den gesamten Verein. Dieses Thema ist nicht unser Ding. " Auf die Tatsache angesprochen, dass das Werder-Gastspiel nach dem Unmut um die nicht ausreichend funktionierende Rasenheizung ( Volksstimme berichtete ) und dem jetzigen neuerlichen Ärger mittlerweile einen mehr als faden Beigeschmack hinterlässt, sagte der FCM-Chef : " Was den Rasen anbetrifft, übernehmen wir eine Teilverantwortung. Hier nicht, weil wir damit nichts zu tun haben. Allerdings tut mir das alles persönlich sehr leid. "

Das Freundschaftsspiel im DSF hatten durchschnittlich 500 000 Zuschauer verfolgt. Das entspricht einem Gesamtmarktanteil von 1, 7 Prozent. DSFPressesprecher Fabian Schiffer sagte dazu : " Das ist für ein Freundschaftsspiel wirklich gut gewesen. "

In Deutschland gehen die Behörden derzeit nicht einheitlich gegen den privaten Wettanbieter bwin vor. " Das hat mit unterschiedlichen Verwaltungsgerichtsurteilen zu tun ", so bwin-Rechtsanwalt Jens Becker. " Die Innenministerien der Länder vertreten zwar einheitlich die Position, dass der Wettanbieter keine rechtsgültige Zulassung hat, aber die einzelnen Verwaltungsgerichte sehen das unterschiedlich ", so Becker.

Dies betreffe vor allem die Frage, ob eine Entscheidung unter Sofortvollzug zu stellen ist oder ein endgültiges Urteil abgewartet werden soll. " In Stuttgart wurde der Sofortvollzug zum Beispiel außer Kraft gesetzt, deshalb darf der VfB Stuttgart bei den Heimspielen mit bwin werben ", so der Anwalt. In Bremen dagegen dürfe Werder nicht werben. Kein Verbot gebe es dagegen in Sachsen. " Dort haben wir in Erstinstanz ein Verfahren gewonnen. " Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die Wettlizenz aus DDR-Zeiten, über die bwin verfügt, Bestand habe. Becker : " In den fünf neuen Ländern sollte dies eigentlich allgemein gültig sein. Dort sehen wir die Auseinandersetzung besonders gelassen. " Aus Magdeburg sei ihm lediglich ein formloses Schreiben bekannt, worin darauf hingewiesen wird, dass die bwin-Werbung in Sachsen-Anhalt verboten sei. Becker : " Eine rechtskräftige Untersagungsverfügung, wie in anderen Ländern üblich, hat uns nicht erreicht. "

Die deutsche Wettlizenz, auf deren Grundlage der Rechtsstreit beruht, stammt pikanterweise aus der DDR. Wettlizenzen wurden kurz vor der Wiedervereinigung auch an private Anbieter vergeben. Das Formular soll damals nur zehn DDR-Mark gekostet haben. Die Lizenzen behielten nach der Wiedervereinigung dank des Einigungsvertrages ihre Gültigkeit und wurden jahrelang auch von bundesdeutschen Behörden anerkannt. Becker : " Solche Lizenzen sind heute wirtschaftlich mehrere Millionen Euro wert. "

Für den bwin-Anwalt trägt die ganze Auseinandersetzung lächerliche Züge. " Werder darf in München für bwin werben, 1860 München wegen eines anderen Urteils aber nicht. " Selbst bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft im Ausland dürfe bwin auf Banden werben. Becker : " Der Zuschauer hat für dieses Wirrwarr sicher kein Verständnis mehr. "

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