Zocken auf Nummer sicher

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In Deutschland wächst das Interesse am Pokern. Wenn um Geld gespielt wird, handelt es sich rechtlich um Glücksspiel. Manche Betreiber bewegen sich daher mit ihren Angeboten am Rande der Legalität. Worauf Pokerfreunde unbedingt achten sollten.

"Pokern ist derzeit das Thema", sagt Michael Terhaag, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Withöft & Terhaag. Seitdem Sender wie das Deutsche Sportfernsehen (DSF), zur besten Sendezeit von den großen Pokerturnieren berichten, ist in Deutschland das Interesse am Spiel stark gestiegen. Doch anders als etwa Skat wird Pokern von der Rechtsprechung als Glücksspiel gewertet. Das bedeutet: Pokern um Geld ist verboten - es sei denn, es geschieht in einem der staatlichen Spielcasinos, denn das Glücksspielmonopol liegt in den Händen des Staates. Auch das Internet als öffentlicher Raum ist tabu.

Dessen ungeachtet werden bundesweit zahlreiche Pokerturniere angeboten - mit steigender Tendenz. Pokern als Event, als Spaßveranstaltung heißt das Motto. "Die Veranstalter mieten Räume an, bringen Tische, Croupiers und Spielgeld mit und los geht es", sagt Terhaag, Experte für Glücksspielrecht und Sportwetten.


Damit die Behörden nicht einschreiten, müssen die Organisatoren aber Regeln beachten: Als Eintritt dürfen die Veranstalter nur so viel nehmen, dass die Kosten gedeckt sind. Das Eintrittsgeld darf nicht an die Sieger ausgeschüttet werden, die Gewinner bekommen deshalb in der Regel gesponserte Preise. "Es ist nach Paragraf 284 aber nicht verboten, nur um Spielgeld zu spielen", erläutert Terhaag, der zahlreiche Anfragen von potenziellen Poker-Veranstaltern hat. "Die Behörden tolerieren es, wenn nicht mehr als 15 bis 20 Euro pro Spieler und Turnier genommen werden", so der Anwalt.

Die Nachfrage ist riesig. Einer der vielen Anbieter ist Rhinepoker.de. "Die Pokerbewegung in Deutschland hat sich unglaublich stark entwickelt", sagt Rhinepoker-Betreiberin Sandra Dellenbusch. Seit Sommer 2006 bietet sie in Nordrhein-Westfalen Pokerturniere an. "Und die Teilnehmerzahl wächst kontinuierlich." Dabei achtet Dellenbusch nach eigener Aussage penibel darauf, sich an das geltende Recht zu halten. "Wir wollen keine Fehler machen."

Denn Rhinepoker hat gleich drei Varianten im Programm. Beim sogenannten Rhinepoker-Cup etwa geht es zwar um einen Gesamtpreis von 20 000 Euro - doch die Teilnahme ist völlig kostenlos. "Man muss sich zuerst im Internet anmelden und anschließend für das Finale qualifizieren", erläutert Dellenbusch. Variante zwei ist das schon beschriebene Mitwirken bei Turnieren zu Eintrittspreisen von 15 Euro. Dagegen müssen Pokerfans bei der Rhinepoker-Liga, die sich über das ganze Jahr erstreckt, mit rund 150 Euro deutlich tiefer in die Tasche greifen - und am Ende erhält der Sieger nur einen Pokal.

Laut Dellenbusch ist das aber eher die Ausnahme: "Von den geschätzten derzeit 200 Anbietern sind nur die wenigsten wirklich seriös", sagt sie. Zu den Tricks zählten beispielsweise höhere Grundeinsätze, deutlich kürzere Einsatzzeiten und die Möglichkeit, Chips nachzukaufen.

Einer der bedeutendsten Akteure in der deutschen Pokerszene ist Horst Koch. Der ehemalige Pokerweltmeister hat den Trend zum Zocken mit Karten nach eigenen Aussagen schon früh entdeckt. Er bietet derzeit in zwölf Bundesländern rund 200 Turniere pro Monat an - mit jeweils 150 bis 200 Spielern. Ab März will er bundesweit vertreten sein. "Das ist die Geschäftsidee des Jahrzehnts", sagt Koch, der die "vielen Trittbrettfahrer" beklagt, die ihm nun den Erfolg streitig machen wollten. Bisher wohl noch vergeblich: Seine German Poker Player Association (GPPA) habe bereits jetzt mehr als 1000 Mitglieder, "und es werden ständig mehr".

Wie andere Veranstalter auch verdient er weniger an den Turnieren selbst, sondern am Verkauf von Poker-Equipment und den Beiträgen für Pokerlehrgänge. Die Haupteinnahmequelle in der Branche aber sind Sponsorengelder - was indes nur die wenigsten offen zugeben. Anders Koch: "Die Sponsoren hauen die Millionen für Werbung nur so heraus."

Das Geheimnis: Als Sponsoren treten häufig Internetseiten wie Partypoker.net oder Pokerstars.de auf. Dort finden interessierte Pokerspieler zwar keine kostenpflichtigen Spielangebote, sondern Pokerschulen, Verkauf von Pokerausrüstungsgegenständen wie Chips oder Tische - was nach deutschem Recht völlig legal ist. "Es ist aber in der Szene ein offenes Geheimnis, dass es von jeder dieser Seiten auch eine ".com-Variante" gibt, auf denen dann um Geld gespielt werden kann", erläutert Anwalt Terhaag.


Die Betreiber wissen also genau, dass es von der einen zur anderen Webseite nur ein kleiner Schritt ist. Denn vielen Pokerfans reicht es irgendwann nicht mehr aus, nur um Spielgeld zu zocken. Die Wirtschaftsberatung MECN schätzt, dass hierzulande bereits jetzt rund 260 000 Pokerspieler im Internet aktiv sind. Tendenz stark steigend.

Ein Ende des Pokerbooms ist also nicht abzusehen. Im Gegenteil: Gleich mehrere sogenannte Poker-Bundesligen haben bundesweit ihren Betrieb aufgenommen, der Konkurrenzkampf um die Hobby-Pokerspieler wird immer größer. Doch auch die staatlichen Spielbanken profitieren von dem Poker-Hype. Längst haben die Casinos regelmäßige Pokerturniere im Programm, wo es dann - völlig legal - richtig zur Sache geht.

"Es sind überwiegend junge Männer, die um Geld pokern wollen", sagt Gerhard Schmulder, von der Spielbank Wiesbaden. Dort können beispielsweise die Gewinner eines der Rookie-(Anfänger)-Turniere, die fast allabendlich stattfinden, mit einem Einsatz von 75 Euro immerhin mit 1500 Euro nach Hause gehen. "Bei uns wird der gesamte Einsatz an die Spieler ausgeschüttet", sagt Schmulder.

Die Teilnehmer, die früh ausscheiden, spielen in der Regel an einem der regulären Cash-Tische weiter - "daran verdienen wir dann", so Schmulder. Und weil der Andrang so groß war, müssen sich Interessierte seit Kurzem sogar vorher im Internet anmelden, um einen der begehrten 60 Teilnehmerplätze zu bekommen. Die Welt

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