Pokern mit Raab

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Stefan Raab hat zum Pokermarathon geladen und viele Prominente sind seinem Ruf gefolgt. Pokerlegende Eduard „Eddie" Scharf sieht das Ganze jedoch mit zwiespältigen Gefühlen.

Wenn mehrere Menschen an einem Tisch sitzen und spielen, kann das sehr spannend sein. Für die Spieler. Aber Poker im Fernsehen? Vor zehn Jahren wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, eine Partie zu übertragen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Gibt es nicht mittlerweile sogar Golfsender? In England ist schon 2005 ein Poker Channel gestartet, und auch hierzulande bekommt das Kartenspiel inzwischen mehr Fernsehzeit als Sportarten wie Tischtennis oder Volleyball. Allein seit Jahresanfang gab es 154 Poker-Sendungen im deutschen Fernsehen. Eduard „Eddie“ Scharf, dessen Namen Poker-Fans nur mit Ehrfurcht aussprechen, sieht den Boom mit zwiespältigen Gefühlen. „Poker ist ein Langstreckenspiel, aber im Fernsehen wird ein Sprint draus gemacht. Das kann nicht funktionieren. Man würde einen Marathonläufer ja auch nicht auf der Kurzstrecke starten lassen“, sagt der 53-Jährige, der als einziger Deutscher bereits eines der Turniere aus der „World Series of Poker“ gewonnen hat und sich daher „Weltmeister“ nennen und zwei der begehrten goldenen Armbänder tragen darf. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen Shows wie Stefan Raabs „TV Total Pokerstars.de-Nacht“, die morgen zum dritten Mal bei ProSieben läuft. Als ihn eine Produktionsfirma vor drei Jahren für eine ähnliche Reihe mit prominenten Teilnehmern gewinnen wollte, hat Scharf abgelehnt: „Ein Fußballtrainer von Format hätte auch keine Lust, sich mit einer Mannschaft abzugeben, in der keiner weiß, wo das Tor steht“, sagt er.

Schuld am Poker-Boom, der aus den USA herüberschwappte, ist die Idee mit der Tischkamera. Dadurch weiß der Zuschauer, welcher Spieler welches Blatt in der Hand hat. Richtig reizvoll wird die Sache natürlich, wenn sich Prominente blamieren. Wer etwa Axel Stein oder Stefan Raabs Fußabtreter Elton nicht leiden kann, dürfte sich diebisch freuen, falls sich die beiden morgen so richtig verzocken (ebenfalls mit von der Partie: Janine Kunze, Hugo Egon Balder und selbstredend Raab).
Hohe Einschaltquoten trotz später Sendezeit

Die Resonanz auf die beiden bisherigen Raab-Runden war durchaus beachtlich. Trotz später Sendezeit nach 22 Uhr schauten zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Zuschauer zu und hoben die Marktanteile mit 16,6 bzw. 14,1 Prozent weit über den Senderschnitt. Außerdem halten sich die Produktionskosten im überschaubaren Bereich. Ein Tisch, fünf Stühle, ein Kartenspiel, ein Jackpot von 100(000 Euro: Auch so kann Fernsehen aussehen.
In einem eigenen Kabuff sitzt Sportreporter Oliver Welke, der den Spaß kommentiert und dabei von Michael Körner unterstützt wird. Der ist ebenfalls Sportjournalist und Poker-Fans ebenso wie Eddy Scharf aus der „DSF Poker-Schule“ bekannt. Die zehnteilige Sendereihe, die in diesen Tagen auf DVD erscheint, war so etwas wie der dramaturgische Höhepunkt für das Deutsche Sportfernsehen, das schon seit März 2005 Poker-Sendungen zeigt. Das große Publikum erreicht der Spartensender damit nicht – aber spannende Turniere wie etwa das Finale der UK Open erreichen bis zu 180(000 Zuschauern bei Marktanteilen im jungen Publikum bis zu 1,8 Prozent.
Der Trick mit der Kamera
Die Faszination des TV-Pokers erklärt Körner mit der „Allwissenheit des Zuschauers: Er kennt sämtliche Karten und kann seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen“. Der Reiz liege außerdem darin, dass der Spielausgang nicht vorherzusagen sei: „Es gewinnt ja nicht immer der Spieler mit der besten Hand, sondern oft genug der mit der besten Strategie“.

Poker-Profi Eddie Scharf wird sich, auch wenn ihm vieles daran nicht behagt, trotzdem morgen Raabs Pokerrunde ansehen. Schließlich sei das Spiel immer für Überraschungen gut. Scharf erinnert sich an eine frühere Ausgabe, in der Kabarettist Michael Mittermeier, sonst ein permanenter Plapperer, plötzlich keinen Ton mehr sagte: „Er hat unter dem Einfluss des Adrenalin sein Verhalten völlig verändert“. Genau das fasziniert Scharf so am Poker-Spiel: „Man lernt dabei ganz neue Seiten an sich kennen, und das können durchaus Seiten sein, die einem nicht gefallen“.
Anderseits zocken Raabs Tischgenossen ja nicht ums eigene Geld. „Dabei ist genau das der Reiz an dem Spiel: Einer verlässt den Tisch als strahlender Sieger, ein anderer geht mit dem Kopf unterm Arm nach Hause“. Scharf hat das alles schon erlebt: wie Menschen innerhalb eines Turniers erst Zig-Tausende gewinnen und dann wieder verlieren. Er selbst kann übrigens ganz befreit aufspielen: Im Brotberuf ist er Pilot einer großen Fluglinie. „TV Total Pokerstars.de-Nacht“, Mittwoch, 22.10 Uhr, ProSieben . DieWelt

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