Hohes regulatorisches Risiko

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Skeptisch bewertet Marcus Sander die Perspektiven für Glücksspiel-Aktien. Die Papiere seien eine Wette auf die Liberalisierung des Glücksspielmarkts in Deutschland. Wann und ob diese kommt, bleibe ungewiss.

boerse.ARD.de: Am 6. März wird voraussichtlich der EU-Gerichtshof das Placanica-Urteil fällen und über die Aufhebung des Verbots privater Wettanbieter in Italien entscheiden. Rechnen Sie mit positiven Impulsen für die Liberalisierung des Glückspielmarkts in Deutschland und ein Ende des Wettmonopols?

Sander: Unseres Erachtens ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Europäische Gerichtshof konkret für eine europaweite Liberalisierung des Wettmarkts ausspricht. Stattdessen dürfte eher die Zulassung privater Glücksspielvermittler erlaubt werden. Im Fokus dürften hierbei vor allem die Ausführungen zur Rolle des Staates bei der Spielsuchtbekämpfung stehen. Selbst wenn Luxemburg eine europaweite Liberalisierung verlangt, werden die Politiker in Deutschland sicherlich nicht gleich das staatliche Wettmonopol aufheben.

boerse.ARD.de: Wie sehen Sie die Perspektiven für die Liberalisierung des Markts?

Sander: Langfristig dürfte man an der Liberalisierung kaum vorbeikommen. Doch wann sie kommt, bleibt ungewiss. Man hat freilich den Eindruck, dass sich inzwischen die harten Fronten hierzulande etwas aufweichen. Bereits Ende 2006 hat die CDU-Fraktion in Schleswig-Holstein zwei getrennte Staatsverträge für den Lotto- und den Sportwettenmarkt vorgeschlagen. Nun ist es ruhiger geworden. Die Politiker haben sich mit Statements etwas zurückgezogen. Die Ruhe kann aber auch trügerisch sein. Die Politiker hierzulande sind meines Erachtens noch lange nicht abgerückt von ihrer harten Haltung zum Wettmonopol. Da braucht nur einer aufzustehen und erneut das Verbot privater Glücksspielanbieter fordern, und schon reagiert die Börse negativ. Ich bleibe daher noch etwas zurückhaltend.

boerse.ARD.de: Seit Anfang Februar haben die Wettaktien stark angezogen. Ist das nur mit der Zuversicht für ein positives Placanica-Urteil zu erklären?

Sander: Nach dem starken negativen News-Flow erholen sich jetzt die Wett-Aktien etwas. Das mag langfristig richtig sein.

boerse.ARD.de: Was würde passieren, wenn der EU-Gerichtshof eine negative Entscheidung fällt?

Sander: Ein negatives Urteil wäre natürlich schlecht für die Branche. Dies halte ich jedoch für wenig wahrscheinlich.

boerse.ARD.de: Wie riskant sind Ihrer Meinung nach Wettaktien?

Sander: Jeder, der zur Zeit in Aktien aus dem Glückspielsektor investiert, muss ein regulatorisches Risiko in Kauf nehmen. Derzeit bestehen insbesondere in Deutschland weiterhin Fragezeichen hinter den Geschäftsmodellen privater Glückspielanbieter. Sollten sich die politischen Rahmenbedingungen verschärfen, droht einigen der Verlust ihres Geschäftsmodells. Der politische Schwebezustand lastet als Risiko auf den Aktien der Branche.

boerse.ARD.de: Welches sind Ihre Favoriten unter den Glücksspielanbietern?

Sander: Gute Aussichten sehe ich für Tipp24. Ich habe die Aktien bis November 2006 zum Kauf empfohlen, dann aufgrund der regulatorischen Risiken auf Reduzieren gesetzt. Derzeit bewerten wir die Aktie mit Neutral. Natürlich weiß ich, dass Tipp 24 eine Wette auf die Liberalisierung und auf die Fortsetzung ihres Geschäftsmodells ist. Wenn der neue Staatsvertrag für Sportwetten so kommt wie es der Entwurf von Mitte Dezember vorsieht, dann würde Tipp 24 zumindest in Deutschland sein Geschäftsmodell verlieren. Soweit sollte es allerdings nicht kommen.

boerse.ARD.de: Was halten Sie von Bwin?

Sander: Wir haben die derzeitigen Risiken derzeit im Bwin-Kurs weitestgehend eingepreist. Dennoch: Der Sportwetten-Markt ist wettbewerbsintensiver als der Lotto-Markt. Insofern wird es für Sportwettenanbieter zukünftig nicht leichter. Mit der Klärung der regulatorischen Unsicherheiten sollte dann aber eine Konsolidierung einsetzen. Hiervon dürfte Bwin dann eher profitieren.

Das Interview führte Notker Blechner.

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