Ein Italiener klagt, und das Wettmonopol wankt

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Um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs anzuhören, ist Massimiliano Placanica eigens aus den Abruzzen nach Luxemburg gereist. Und jetzt ist er „glücklich, sehr glücklich sogar“. Denn er hofft, da weitermachen zu können, wo ihn die italienische Justiz vor fünf Jahren jäh gestoppt hat. „In sechs Wochen findet schon die erste Gerichtsverhandlung statt“, sagt Placanica.

Knapp 37 Jahre ist er alt, Familienvater aus Passion, Tennislehrer von Beruf. „Im unternehmerischen Bereich“, sagt er, habe er wenig Erfahrung gehabt, aber „dort bei uns, in der Region Molise, gab es eben weit und breit nichts.“ Und so machte Placanica an der südlichen Adria, im Fischer- und Touristenstädtchen Termoli, einen „Wett-Corner“ auf.

Er tat es als frei schaffender Unternehmer für die englische Firma Stanley-Bet, genauso wie 207 andere Italiener auch, die am boomenden Geschäft der Sportwetten teilhaben wollten. Vor fünf Jahren aber stand plötzlich die Polizei in Placanicas Büro, machte sein „Zentrum für Datenübermittlung“ dicht und hängte ihm einen Strafprozess an. Wettbüros dürfen in Italien nämlich nur nach vorhergehender Erlaubnis durch Polizei und/oder Monopolbehörde betrieben werden, und die hatte Placanica nicht. Nur 1000 Konzessionen wurden 1999 landesweit ausgegeben – der rapide wachsenden Nachfrage genügte das schon damals nicht.

Placanica ist keineswegs der Einzige, der ohnmächtig zusehen musste, wie sein kleines Unternehmen von der Polizei geschlossen wurde. Deshalb ist die englische Mutterfirma Stanley-Bet vor den Europäischen Gerichtshof gezogen und hat ihre Musterklage am Fall des Massimiliano Placanica aufgehängt. Nur deshalb, sagt er nun am Telefon, sei sein Name so prominent in die Öffentlichkeit geraten. Aber auch deshalb, weil er gewonnen hat: Private Wettanbieter, sagt der Gerichtshof, dürfen nicht behindert werden.

Gerade das hatte Italien in der Vergangenheit immer versucht. Mit gutem Grund: Fußball- und insbesondere Pferdewetten sind ein traditionelles, milliardenschweres Geschäft der Mafia, das nicht nur zur Geldbeschaffung, sondern vor allem zur Geldwäsche aus dem Drogenhandel dient. Der Verdacht auf illegale Sportwetten und auf kriminelle Großschiebungen stand auch hinter dem Fußballskandal des vergangenen Jahres, bei dem das krakenartige „System Juventus Turin“ enttarnt wurde.

Wegen all dem hat der italienische Staat ein erhebliches Interesse daran, wenigstens den legalen Wettmarkt im Griff zu behalten. Dass die bisherigen 1000 Konzessionen allerdings viel zu wenig sind, hat mittlerweile auch die Regierung erkannt: Schon im vergangenen Jahr hat Ministerpräsident Romano Prodi ein Liberalisierungsdekret verabschiedet: Darin werden weitere 16 000 Konzessionen ausgeschrieben.

Denn das Marktpotenzial ist gewaltig. Haben Italiens legale Wettbetreiber im Jahr 1999 nur 413 Millionen Euro umgesetzt, so waren es im vergangenen Jahr schon 2,2 Milliarden Euro, also das Fünffache. In den kommenden zwei Jahren wollen allein die bisherigen Konzessionäre auch diese Summe mindestens noch einmal verdoppeln.

60 000 Euro hat Massimiliano Placanica durch die Schließung seines „Wett-Corners“ von Termoli vor fünf Jahren verloren. Seither hält er sich, ein paar Dutzend Kilometer Adria-aufwärts, als Betreiber eines Tennisplatzes über Wasser. Wie’s jetzt genau weitergeht, weiß er noch nicht: „Nach fünf Jahren Zwangspause steigt man nicht hundertprozentig dort wieder ein, wo man aufgehört hat.“ Aber ganz abgeneigt ist er einem Neuanfang nach dem EU-Urteil doch nicht. „Bleiben wir nüchtern“, sagt er, „zuerst muss jetzt einmal die italienische Justiz auf das Urteil von Luxemburg reagieren.“ tagesspiegel

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